Jahres- und Wirkungsbericht 2015

Was bewirkte „Mein Papa kommt“ bisher? Und welche Pläne haben wir Flechtwerker noch? Das erfahrt Ihr in unserem Bericht.

Hier ein paar Wirkungsbeispiele aus unserer Arbeit bei „Mein Papa kommt“. Weitere Ein- und Ausblicke findet Ihr in unserem aktuellen Jahres- und Wirkungsbericht 2015:

 

Download Bericht

 

Pädagogisches Elterncoaching

Till konnte nicht wöchentlich 800 km zum Kind anreisen. Telefonieren mit dem zweijährigen Karlchen klappte auch noch nicht. Die Ideenwerkstatt vom pädagogischen Elterncoaching überraschte ihn: „Skypen für Krabbelkinder?!“ Seitdem das Konzept beiden Elternteilen vorgestellt wurde, ist Till jeden Mittwoch „live“ im Kinderzimmer dabei, bis Karlchens Mama den Kleinen zum Abendessen ruft. Und beide Eltern trainieren ganz nebenbei die achtsame Übergabe von einem zum anderen Elternteil.

 

Übernachtungen bei Gastgebern

Die dreijährige Laura hat nach der Trennung ihrer Eltern mehrere Orts-
und Partnerwechsel der Mutter erlebt. Die Treffen mit ihrem Vater Manuel konnten dennoch kontinuierlich weitergehen. Manuel fand überall – in Berlin, Hamburg und Lübeck – Gastgeber von Mein Papa kommt. Nun verbringt Laura die Sommerferien zum ersten Mal wieder bei ihrem Vater an ihrem Geburtsort. Flechtwerk 2+1 bietet der begleitenden Mutter Gastgeber in Frankfurt an. Dann ist Lauras Mutter in 
der Nähe, falls die Kleine anfangs Heimweh bekommt.

Kinderzimmer auf Zeit

Die sechs Umgangsstunden mit
 seinem Sohn, für die Philippe jedes
 Mal von Köln nach Niederbayern anreist, haben die beiden früher auf der Straße oder im Kurpark verbracht. Bei Regen hat Philippe ein Kasperltheater zwischen Fahrersitz und Kindersitz für den fünfjährigen Jerome gebastelt. Durch Mein Papa kommt kann Philippe seinen Sohn in kindgemäßen Räumen treffen und spart monatlich eine Menge Geld. Er kann endlich seine Unterhaltsschulden beim Jugendamt tilgen und hat für Jerome einen Schwimmkurs gebucht.

 

 

 

Weitere Details über unsere Angebote und den Stand unseres bundesweiten Besuchsprogramms findet Ihr unter www.mein-papa-kommt.de.

Einblicke in ein „Kinderzimmer auf Zeit“

Wir waren im Haus Sonnenquell in München, das regelmäßig Flechtwerk-Vätern und ihren Kindern seine Räume zum Spielen öffnet.

Nach der Trennung spielte Josef zunächst tagsüber mit seinem Sohn David in der Wohnung von Davids Mutter. Als das nicht mehr möglich war, stellte sich der Vater aus der Schweiz die große Frage, was er nun mit seinem damals eineinhalbjährigen Sohn an nasskalten Regentagen in München machen sollte. Da kam das Angebot eines Kinderzimmers auf Zeit von Mein Papa kommt wie gerufen. „Und es war so einfach!“, berichtet Josef begeistert. „Nachdem das Team von Mein Papa kommt unsere Kontaktdaten ausgetauscht hatte, genügte ein Anruf, und schon war der erste Besuch im Haus Sonnenquell vereinbart.“

 

Hereinspaziert!

Tanja Olbert von der Elterninitiative des Montessori-Kindergartens Sonnenquell begrüßte David und Josef beim ersten Besuch mit einem kleinen Teddybären und zeigte den beiden die Gruppenräume und den großzügigen Garten, in den man sogar über eine große Rutsche aus dem ersten Stock gelangt.

 

 

Und auch den großen Mein Papa kommt-Spielkoffer, den der Kindergarten eigens für die Flechtwerk-Väter und ihre Kinder angeschafft hat – mit Malsachen, Bauklötzen, Bastelsets und Schleichtieren.

 

 

„Natürlich dürfen sie auch mit anderen Spielzeugen im Kindergarten spielen“, versichert Tanja. Sie war sofort von dem Projekt überzeugt und konnte auch die anderen Eltern und den Vermieter des Hauses dafür begeistern, dass sie ein Kinderzimmer auf Zeit anbieten. „Das Haus Sonnenquell ist ein wunderbarer Schatz, den sonst nur unsere 15 Kindergartenkinder nutzen können. Durch die Kooperation mit Mein Papa kommt können weitere Kinder in unserem gemütlichen Haus auf zwei Ebenen spielen. Das ist wirklich klasse“, findet Tanja.

 

 

 

Das fand auch der kleine David. Sofort begann er, die Villa Kunterbunt zu erkunden. „Besonders die Holztreppe mit den knarrenden Stufen hatte es ihm angetan!“, erinnert sich Josef lachend. „Ich weiß nicht, wie oft wir da hoch- und runtergekraxelt sind.“ Fasziniert war der Kleine auch vom Aquarium mit den flinken Fischen. Nach der ganzen Aufregung konnte er es sich mit seinem Papa anschließend in der Kuschelecke gemütlich machen. Als das Papa-Sohn-Gespann zum zweiten Mal zu Gast im Kindergarten war, konnte David auch endlich bei gutem Wetter im Garten toben und für seinen Papa Sandkuchen backen. „Am liebsten ließ sich mein Sohn natürlich von mir im Bollerwagen spazieren fahren“, erzählt Josef. „Die Spielmöglichkeiten, die ein Kinderzimmer auf Zeit bietet, sind enorm. Besonders, wenn die Kinder noch so klein sind.“

 

Kinderleicht zu organisieren

Tanja freut sich jedes Mal, wenn sie im Haus Sonnenquell Flechtwerk-Väter zu Besuch haben. „Wir merken immer wieder, wie dankbar die Väter sind. Und die Freude in den Augen der Kinder ist die schönste Motivation, sich zu engagieren.“ Natürlich ist das Angebot auch mit Organisation verbunden. Der Aufwand hält sich jedoch in Grenzen. „Im Grunde ist es nur die Terminabsprache per Telefon oder Email und dann die Schlüsselübergabe und eine kurze Einweisung in die Räumlichkeiten. Wenn ich mal verhindert bin, springt eine andere Mutter oder ein anderer Vater aus unserer Elterninitiative ein“, sagt Tanja. „Wir bleiben auch nur so kurz wie nötig und lassen dann Papa und Kind alleine. Schließlich ist die Zeit mit dem Kind sehr kostbar für den Vater“, betont sie. Das Team Sonnenquell schenkt den Vätern vollstes Vertrauen und ist nicht enttäuscht worden. Bisher haben sich alle an die vereinbarten Absprachen und Regeln gehalten. „Und wenn wir dann am Montagmorgen mit einem gemalten Gruß an der Tür überrascht werden, ist die Freude natürlich groß!“

 

Heute braucht Josef das Kinderzimmer auf Zeit nicht mehr, da der mittlerweile dreijährige David eine echte Wasserratte geworden ist und bei jedem monatlichen Papabesuch schwimmen gehen möchte. „Das ist zu einem schönen Ritual geworden“, freut sich Papa Josef. „Aber wer weiß, vielleicht kommen wir auch mal wieder ins Haus Sonnenquell. Es ist beruhigend zu wissen, dass es die Möglichkeit gibt.“

 

Weitere „Kinderzimmer auf Zeit“ gesucht!

Ihr wollt ebenfalls ein Kinderzimmer auf Zeit anbieten? Dann meldet Euch an. Ob Kindergarten, Mütter-, Väter-, Familienzentrum oder auch Kirchengemeinde, wir freuen uns über neue Umgangsräume. Ein ruhiges Zimmer und eine Kiste mit Spielsachen genügen. Sagt uns einfach kurz, wer Ihr seid und wo Ihr einen Raum anbieten könnt. Falls Eure Räumlichkeiten am Wochenende geschlossen sind, gibt es auch die Möglichkeit, einen Förderungsantrag an die städtische Stadtsparkasse zu stellen, um einen „Housekeeper“ zu zahlen. Vielleicht hat eine Reinigungskraft Eurer Einrichtung Interesse an diesem Dienst?

 

 

Anmeldung Kinderzimmer

 

 

 

Fotos: Haus Sonnenquell

Wege, die noch keiner ging

Flechtwerk-Freunde hinterlassen für Kinder zuverlässige Spuren in turbulenten Zeiten. Mit Kreativität, Zärtlichkeit und Entschlossenheit!

Für Kinder ist es einfach: Gibt es ein Problem, muss eine Lösung her! Genauso pragmatisch wurde die Idee von Mein Papa kommt geboren. Wenn ein Vater keinen Schlafplatz am Wohnort des Kindes hat, dann muss eben ein Gästebett her. Wir Flechtwerker sind immer wieder begeistert, wie selbstverständlich die mittlerweile fast 1.000 Gastgeber von Berlin bis Buxtehude ihre Türen und Herzen öffnen – und häufig auch mehr als nur einen Schlafplatz für den Langstrecken-Papa bieten.

 

Männer sind unkreativ?!

Von wegen! Unseren Flechtwerk-Vätern fallen die tollsten Sachen ein. So nutzte ein Vater am Sonntag den Schattenwurf auf dem Gehweg, um die Umrisse von seiner Tochter und sich mit Kreide zu zeichnen. Immer wieder hielten die beiden an, um die Körperschatten nachzumalen. Der Vater lenkte den Spaziergang extra über den Schulweg seiner Tochter. Am Montagmorgen war die Kleine ein bisschen traurig, dass das Papa-Wochenende schon wieder vorbei war. Aber dann wartete ja das ganz besondere Papa-Tochter-Bild auf sie!

 

Und wer sagt denn, dass man unbedingt Strom für eine Carrera Autorennbahn braucht? Der kleine Justus (alle Namen im Artikel geändert) braucht nur seinen Papa, der das riesige Spielzeug extra bei jedem Besuch von Düsseldorf nach Hamburg schleppt, um dort mit ihm im Park zu spielen. Dass die Autorennbahn eigentlich Strom braucht, bleibt erst einmal das Geheimnis von Papa. Stattdessen kann der Vierjährige seinen Freunden im Kindergarten erzählen, dass sein Papa bei gutem Wetter extra für ihn Autorennen im Park veranstaltet. Vielleicht haben wir für Justus und seinen Papa bald auch ein Kinderzimmer auf Zeit in Hamburg gefunden.

 

Und auch Gastgeber erzählen uns begeistert, dass sie schon von den Vätern überrascht wurden. Sei es mit einem leckeren Essen, das der Hobbykoch mit seiner kleinen Chefköchin Carla in der Küche für die Gastgeberfamilie gezaubert hat. Oder von dem kreativen Vater-Tochter-Gespann, das in der Vorweihnachtszeit plötzlich mit einem selbstgebastelten Adventskranz vor der Tür stand. Einfach so, der Vater brauchte an diesem Wochenende gar keinen Schlafplatz. Und ein Vater hinterlässt immer eine kleine Merci-Schokolade als kleines Dankeschön. Immer wieder woanders versteckt – mal am Badezimmerspiegel, mal an der Kaffeemaschine.

 

Rückenwind für kreative Lösungen

Abschiede und Trennungen erleben viele von uns. In unserem Flechtwerk entstehen unendlich viele Geschichten, wie es trotzdem gut weitergehen kann. Dazu gehören nicht nur die engagierten Gastgeber, sondern auch die Mitarbeiter der Jugendämter mit ihrem Vertrauen in unsere Arbeit, die Kindergärten, die uns sonntags ihre Türen öffnen und die Auridis Stiftung, die uns für all dies den Rücken stärkt. Das Flechtwerk für Kinder mit zwei Elternhäusern wächst und wird seinem Namen mehr als gerecht. Und wir freuen uns wie die Kinder, dass wir nun einen Blog haben, der Platz für „1.000 hoch 10“ wunderbare Geschichten bietet. Aber lest selbst!

Doku-Tipp: „Krieg ums Kind“

Der begleitete Umgang ist manchmal die letzte Chance, die Eltern-Kind-Bindung zu halten und zu stärken.

Wenn Eltern Betreuung brauchen

Wir haben eine Dokumentation über den begleiteten Umgang entdeckt, die wir Euch empfehlen möchten:

 

„Krieg ums Kind – Wenn Eltern Betreuung brauchen“

 

Die Sendung aus der Reihe „Menschen Hautnah“ zeigt einfühlsam, wie schwer der begleitete Umgang für alle ist, Eltern wie Kinder. Und auch, dass er manchmal die letzte Chance ist, die Eltern-Kind-Bindung zu halten und zu stärken. Cornelia Knöfel ist Sozialpädagogin und arbeitet freiberuflich für das Jugendamt. Als Umgangsbegleiterin betreut sie Paare, die sich nur noch um ihre Kinder streiten. Das Fernsehteam hat ihre Arbeit mit drei Familien über ein halbes Jahr lang begleitet.

 

Umgang trotz großer räumlicher Distanz

„Mein Papa kommt“ hilft getrennt lebenden Vätern und Müttern, den Umgang trotz großer räumlicher Entfernung zum Kind wahrzunehmen. Und Konflikte abzubauen.

 

Wenn Du unser Coaching oder unser Besuchsprogramm nutzen möchtest, dann melde Dich am besten gleich an! Und schon bald begrüßen wir Dich mit einem „Willkommensanruf“.

 

Zur Anmeldung

Manchmal geschehen Zeichen & Wunder

Und das nicht nur für Flechtwerk-Väter, sondern auch für Gastgeber. Umso schöner, wenn es zu Weihnachten geschieht.

Ein unglaubliches Weihnachtsgeschenk

Vor etwas über einem Jahr trennten sich die Eltern des kleinen Arian (alle Namen im Artikel sind geändert). Der damals Dreijährige zog mit seiner Mutter in die Nähe von Stuttgart. Sein Vater Tarik blieb in München und musste jedes Mal drei Stunden Zug fahren, um seinen Sohn zu sehen. Über Mein Papa kommt hat Tarik liebe Gastgeber am Wohnort seines Sohnes gefunden, die ihn im vergangenen Jahr durch schwere Zeiten begleitet haben. Doch dann bekam Arian zu Weihnachten das schönste Geschenk: Sein Papa und seine Mama sind wieder zusammen! Am 23. Dezember ist er mit seiner Mutter wieder zu seinem Vater nach München gezogen.

 

 

Zeit des Zurückgebens

Bei seinen Gastgebern war Markus mit seinem Sohn Luka ein ganzes Jahr Monat für Monat willkommen. Das ältere Ehepaar hat ihn immer wieder ermutigt, trotz aller traurigen Umstände nicht aufzugeben und zu seinem Sohn zu fahren. Doch dann wurde die Gastgeberin sehr krank und ist verstorben. Für Markus stand sofort fest, was er an Weihnachten machen würde. An Heiligabend hat er sich wiederum auf die lange Reise nach Ingolstadt gemacht und war heilfroh, dass er etwas zurückgeben konnte. Und so hat er Weihnachten mit seinem Gastgeber gefeiert, der sonst in dieser Zeit alleine gewesen wäre.

 

 

Anwältin findet Lösung für eine Flüchtlingsfamilie

Der Neuanfang in Deutschland war für die syrische Familie der sechsjährigen Manal mit einer Trennung verbunden. Ihre Eltern hatten entschieden, von nun an getrennte Wege zu gehen und haben sich deshalb bei der Ankunft auch getrennt registrieren lassen. Das hatte zur Folge, dass Manal und ihre Mutter Fatima nach Wuppertal kamen und der Vater Samir in einem Flüchtlingsheim in München untergebracht wurde. Samir kann seine Tochter seitdem nur in den Schulferien zu sich nach München holen – immerhin. Doch nach dem Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Flüchtlingsheim verschärft. Von heute auf morgen durfte die kleine Manal nicht mehr im Zimmer ihres Vaters übernachten. Samir war am Boden zerstört. Ein Hotelzimmer kann er sich nicht leisten. Seine Anwältin, die ihn im Asylverfahren und bei der Scheidung vertrat, suchte nach einer Lösung. Da fiel ihr das Besuchsprogramm Mein Papa kommt wieder ein, von dem sie bei einem Vortrag des interdisziplinären Arbeitskreises beim Amtsgericht München gehört hatte. Und obwohl es kurz vor Weihnachten war, konnten wir Flechtwerker kurzfristig eine Unterkunft bei Gastgebern organisieren. Die kleine Manal war überglücklich und konnte die Weihnachtsferien zusammen mit ihrem Papa verbringen.

 

 

Und jetzt Ihr!

Erzählt uns Eure Mein Papa kommt-Story! Oder auch Eure Meine Mama kommt-Story! Entweder hier über die Kommentarfunktion oder schickt sie per Email an boehm@flechtwerk-ggmbh.de. Bitte schreibt dazu, ob wir Eure Geschichte im Blog veröffentlichen dürfen – auf Wunsch auch anonymisiert.

 

 

 

„Mein Papa kommt“ mit einem Artikel in DIE WELT

„So können Trennungseltern beim Pendeln Geld sparen“. Von Sabine Menkens – veröffentlicht am 25.12.2016

Artikel DIE WELT 25.12.2016

Wir freuen uns sehr über den Bericht in der Online-Ausgabe der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“, in dem ein Flechtwerk-Vater seine Erfahrungen mit unserem Besuchsprogramm Mein Papa kommt schildert. Wir danken der Journalistin Sabine Menkens für den umsichtigen Artikel zum sensiblen Thema „Multilokale Familiensettings bei großer räumlicher Entfernung“.

 

Weitere Zeitungsartikel und Hörfunkbeiträge über Mein Papa kommt findet Ihr im Pressearchiv.