Regelmäßige Besuche dank unserer Sozialplätze

Manche Eltern können selbst die 12 Euro Mitgliedsbeitrag für „Mein Papa kommt“ nicht zahlen. Spenden ermöglichen in diesen Fällen die Besuche am Wochenende.

Manchmal sind schon 12 Euro zu viel

Wer für 12 Euro eine oder mehrere Nächte pro Monat bei einem privaten Gastgeber von Mein Papa kommt übernachtet, spart eine Menge Geld. Je nach anfallender Hotel- oder Pensionskosten und Anzahl an Besuchen können das mehrere hundert Euro pro Monat sein. Doch was, wenn selbst die 12 Euro Monatsgebühr bzw. 144 Euro Jahresgebühr für unser Besuchsprogramm nicht drin sind? Wenn an allen Ecken gespart werden muss, damit überhaupt ein – meist seltener – Besuch möglich ist?

 

Regelmäßige Papa-Wochenenden dank Sozialplatz

Stefan (Name geändert) lebte vor seiner Trennung zusammen mit seiner Frau und seinem 8jährigen Sohn in Hamburg. Für seine Ausbildung zum Altenpfleger musste der Vater im letzten Sommer von der Hansestadt nach München ziehen. Der Auszubildende verdient im ersten Ausbildungsjahr 900 Euro brutto. Das Leben in München ist teuer. Die Fahrten zu seinem Sohn kommen mit über 800 km Distanz noch hinzu. Trotz seines geringen Lohnes versucht Stefan mit allen Kräften, seinen Sohn regelmäßig zu besuchen. Neben seiner Ausbildung verdient er sich noch etwas dazu. Dennoch kann sich der Altenpflegeschüler eine Hotelübernachtung in Hamburg nicht leisten. Stefan befürchtete, dass er deshalb den Kontakt zu seinem Sohn verlieren könnte. Im vergangenen Herbst las er im „Spiegel“ von Mein Papa kommt und meldete sich bei unserem Besuchsprogramm an. Als wir von Mein Papa kommt von seiner prekären finanziellen Situation hörten, boten wir ihm einen Sozialplatz an. Stefan nahm den spendenfinanzierten Platz im Besuchsprogramm gerne an, da bereits die 12 Euro Mitgliedsbeitrag die knappe Kasse des Auszubildenden sehr belasteten. Nun kann er seinen Sohn beim Papa-Wochenende in Hamburg auch mal in den Zoo oder zum Eisessen einladen.

 

Schenke einen Sozialplatz!

Wir von Mein Papa kommt bieten Vätern/Müttern, die in einer schwierigen finanziellen Situation sind –  sei es durch Ausbildung, Studium, Arbeitslosigkeit oder Verschuldung – einen Sozialplatz an. Diese Plätze sind zu 100 Prozent spendenfinanziert und befreien den Vater/die Mutter so lange vom Mitgliedsbeitrag, wie es notwendig ist. Denn der Umgang sollte immer unabhängig vom Kontostand der Eltern sein!

 

Möchtest auch Du einen Sozialplatz finanzieren? Mit einer Spende von 144 Euro kannst Du dafür sorgen, dass ein Vater wie Stefan über ein Jahr lang regelmäßig sein Kind besuchen kann. Oder eine weit reisende Mutter in der gleichen Situation ihr Kind. Auch eine kleine Spende hilft. Denn aus vielen kleinen Spenden wird ein großer Betrag, der dringend benötigte Sozialplätze ermöglicht.

 

 

Jetzt spenden

 

 

Wir danken im Namen der Kinder mit zwei Elternhäusern!

Über Ländergrenzen hinweg

Manche Eltern müssen internationale Grenzen überqueren – und dadurch weitere Hürden überwinden – damit sie nicht die Bindung zum Kind verlieren.

In der Community von Mein Papa kommt gibt es über 100 Väter/Mütter, die nicht wie ihre Kinder in Deutschland leben, sondern im europäischen Ausland oder auch zum Beispiel in Ländern wie Argentinien oder der Ukraine. Derzeit übernachten 18 „internationale“ Väter aus dem Ausland bei Gastgebern von Mein Papa kommt. Sie reisen aus Frankreich, Portugal, Großbritannien, der Schweiz, Italien, Österreich, Luxemburg, Tschechien, Russland und der Türkei an. Andererseits konnten wir auch schon einigen Vätern/Müttern aus Deutschland Gastgeber am Wohnort des Kindes in Österreich, der Schweiz und Südtirol vermitteln.

 

Gastgeber in den USA

Vor einigen Jahren haben wir sogar durch einen glücklichen Zufall für einen Vater aus Berlin Gastgeber in New York City gefunden! Ohne Absprachen war die Mutter seiner Tochter nach der Geburt von Berlin ins 6.400 km entfernte New York gezogen. Obwohl der Vater gut verdiente, war er finanziell überfordert. Im Rahmen einer Weiterbildung des Flechtwerk-Teams erfuhr damals die Referentin aus New York von dem Fall und stellte sich spontan als Gastgeberin zur Verfügung. Da der Vater durch Mein Papa kommt keine teuren Hotelübernachtungen mehr bezahlen musste, kann er seitdem alle drei Monate für zehn Tage seine Tochter besuchen.

 

Bild multilokale Familien

Sprache kann verbinden – und zum Hindernis werden

Flechtwerk-Vater Jo aus der Schweiz berichtet stolz, dass seine 10-jährige Tochter Luisa, die vor zwei Jahren nach Bonn gezogen ist, nach wie vor darauf besteht, mit ihm auf Schwizerdütsch zu sprechen. Ganz gleich, ob sie zusammen in Bonn beim Gastgeber übernachten oder Luisa ihren Papa in der alten Heimat besucht. Gleichzeitig merkt Jo jedes Mal bei Besuchen in Bonn auch an der Sprache, dass seine Tochter in einem anderen Kulturraum aufwächst. Und dadurch gefühlt noch ein bisschen weiter als 570 km entfernt von ihm ist. (Erfahrt mehr über Jo in diesem Interview.)

 

Dramatische Folgen kann es für die Eltern-Kind-Bindung haben, wenn ein Elternteil mit dem Kind in einen anderen Sprachraum zieht, dessen Sprache der andere Elternteil nicht spricht. So erzählte uns ein Vater aus England vor einiger Zeit, wie schwer es für ihn ist, die Bindung zu seinem eineinhalb Jahre alten Sohn zu halten. Der Engländer spricht kaum Deutsch. Sein Sohn beginnt gerade erst Sprechen zu lernen und wird natürlich vom deutschsprachigen Umfeld geprägt. Daher versucht der Vater so oft es geht mit dem Kleinen zu skypen – was aufgrund des Alters nicht immer einfach ist.

 

Bei Erdinç aus der Türkei stellt die Sprache glücklicherweise kein Problem dar. Seine Tochter Stella, die bei der Mutter in Ingolstadt lebt, spricht beide Sprachen fließend und findet sich daher sehr gut zurecht, wenn sie ihren Papa während der Sommerferien in Istanbul besucht. Und da der Vater gut Englisch spricht, kann er sich gut bei seinen Reisen nach Deutschland verständigen – auch mit seinen Gastgebern, die wir ihm bisher vermittelt haben.

 

Bild asiatische Familie

„Mein Papa kommt“ speaks English

Wir von Mein Papa kommt können gut auf Englisch weiterhelfen. Kürzlich haben wir den englischsprachigen Bereich unserer Website ausgebaut. Einige unserer Mitarbeiter können auch auf Französisch und Italienisch Auskunft geben. Doch nicht alle Eltern sprechen diese Sprachen. Bisher haben sich aber immer gute Lösungen gefunden, zum Beispiel für Eltern mit Fluchterfahrung, die anfangs nur Arabisch oder Persisch gesprochen haben. In diesen Fällen konnte entweder das Jugendamt Übersetzer organisieren oder Bekannte der Eltern haben bei Telefonaten und Emailkontakt unterstützt.

 

Andere Länder, andere Gesetze

Getrennte Eltern, deren Kinder in anderen Ländern leben, sind nicht nur häufig mit einer anderen Sprache und einem fremden Kulturkreis konfrontiert, sondern müssen sich auch in einem fremden System zurechtfinden. Dies ist besonders herausfordernd, wenn ein Vater wie der Schweitzer Jo in Deutschland vor Gericht den regelmäßigen Umgang erstreiten muss. Nachdem er sich durch Rechtsstreitigkeiten mit Luisas Mutter bereits mit der Schweizer Justiz vertraut gemacht hatte, musste er sich mit der deutschen Rechtslandschaft auseinandersetzen und einen deutschen Anwalt finden. Im Vergleich zur Schweiz fühlte er sich jedoch in Deutschland erstmals als Vater vor Gericht ernst genommen. In seinem Heimatland erscheinen die Parteien nicht vor Gericht, entschieden wird nur aufgrund von Akteneintragungen. Jo empfand es als viel gerechter, persönlich vor Gericht angehört zu werden und für ihn war es vorteilhaft, dass auch die Meinung seiner Tochter durch den Verfahrensbeistand vertreten war. Für Jo ging das Gerichtsverfahren gut aus. Und seine Deutschkenntnisse und seine Fähigkeit, sich mit den deutschen Gesetzmäßigkeiten vertraut machen zu können, haben ihm sehr geholfen. Dies ist nicht für jeden Vater oder jede Mutter aus dem Ausland möglich und die Gefahr eines Bindungsabbruchs dadurch erhöht.

 

Unterhalt – Wohnort des Kindes entscheidet

Die Mutter von Luisa wollte nicht nur den Umgang verweigern, sondern auch erwirken, dass Jo nach wie vor den Schweizer Unterhaltssatz von über 700 Euro pro Monat zahlt. Die Rechtslage ist hier jedoch eindeutig. Lebt das Kind in Deutschland, muss der in Deutschland übliche Satz gezahlt werden. Dies ist für Unterhaltszahler aus dem Ausland, in dem das Einkommensniveau geringer als in Deutschland ist, eine große Herausforderung. Das Pendant zu Jo bildet ein Münchner Vater, der mit Mein Papa kommt sehr verbunden ist. Da seine beiden Söhne in der Schweiz leben, muss der Vater den schweizer Unterhaltssatz zahlen – eine enorme Summe an deutschem Gehalt gemessen.

 

Internationale Eltern-Kind-Konflikte

Bei grenzüberschreitenden Kindschaftskonflikten können sich Eltern, Jugendamtsmitarbeiter*innen, Richter*innen und Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte an den Internationalen Sozialdienst (ISD) wenden. Der ISD ist eine von der Bundesregierung beauftragte zentrale Anlaufstelle für grenzüberschreitende Kindschaftskonflikte. So berät der ISD z.B. Eltern bei drohender Kindesentführung zu Sicherungsmöglichkeiten und wie mit der jeweiligen Situation am besten umgegangen werden sollte. Wir von Mein Papa kommt sind im Austausch mit dem ISD und manch „internationaler“ Flechtwerk-Vater hat über den ISD von unserem Besuchsprogramm erfahren.

 

Wenn Kinderherzen sprechen

Wir von Mein Papa kommt freuen uns sehr, dass dank des großzügigen Engagements und der weltoffenen Haltung unserer Gastgeber Eltern aus der ganzen Welt willkommen sind und die Kinder nun nicht nur sagen „Mein Papa kommt“, sondern auch „Babam geliyor“ (Türkisch), „Voilà papa“ (Französisch), „Arrivo mio papà“ (Italienisch) und „Abi quadim“ (Arabisch) – um nur einige Sprachen zu nennen.

Spendenkampagne „Scheidungsringe für Kinder“

Wir laden Geschiedene dazu ein, uns ihre alten Eheringe zu spenden. Wie es zu dieser Idee kam, verraten wir in diesem Blogartikel.

Nach dem Motto „Eheringe helfen Scheidungskindern“ haben wir von Flechtwerk 2+1 die Spendenkampagne Scheidungsringe für Kinder gestartet. Wir laden Geschiedene dazu ein, ihre alten Eheringe für unser Besuchsprogramm Mein Papa kommt zu spenden. Auch abgelegter Schmuck aus Edelmetall kann gespendet werden. Mit dem Erlös der Spendenaktion finanzieren wir Sozialplätze für bedürftige Väter und Mütter und den Erhalt und weiteren Ausbau unseres Besuchsprogramms Mein Papa kommt. Die Finanzierung durch unseren Hauptförderer Auridis gGmbH läuft Ende dieses Jahres aus. Wir erhalten keine staatliche Förderung und die Mitgliedsbeiträge von Vätern und Müttern decken nur teilweise unsere Kosten.

 

Eine besondere Spende zündete die Idee

Foto Ellen Keßler
Die Spende von Ellen Keßler über den Erlös ihres alten Eheringes brachte uns auf die Idee zur Spendenkampagne „Scheidungsringe für Kinder“.

Ellen Keßler aus Rheinfelden an der schweizerischen Grenze hatte sich nach ihrer Scheidung 2007 immer wieder gefragt, was sie mit ihrem alten Ehering machen sollte. Wie so viele Geschiedene verwahrte sie ihn in einer Kommode auf. Wegschmeißen kam für sie nicht in Frage. Und zu Geld machen wollte sie ihn auch nicht. Durch die Segnung der Ringe bei ihrer katholischen Trauung ist der Ehering auch nach der Scheidung für Ellen Keßler etwas Besonderes geblieben. Daher überlegte sie sich, den Ring einschmelzen zu lassen und den Erlös für eine gemeinnützige Organisation zu spenden, die sich für Scheidungskinder engagiert.

 

Doch die Beratungsstellen vor Ort – wie zum Beispiel die Caritas – waren ihr zu sehr auf die Probleme der Eltern fixiert. Ihr fehlte der direkte Bezug zu den Kindern und vor allem zur Bindung zwischen Eltern und Kindern. Als sie dann im Frühjahr 2015 zufällig in der Badischen Zeitung von unserer Initiative Mein Papa kommt las, wusste sie sofort, dass eine Spende für unser Besuchsprogramm genau ihrem Wunsch entsprechen würde. Die Heilerziehungspflegerin hat selbst keine Kinder, doch ihr ist bewusst, dass die Kinder immer die größten Leidtragenden bei einer Trennung sind. Zum Thema „große räumliche Distanz“ hat sie einen persönlichen Bezug, da ihr Ex-Mann nach der Trennung an den Niederrhein gezogen ist. Wenn sie sich vorstellt, dass sie und ihr geschiedener Mann Kinder gehabt hätten, dann wären regelmäßige Besuche des Vaters sehr erschwert und ein Programm wie Mein Papa kommt sehr hilfreich gewesen.

 

Nachdem wir von Mein Papa kommt erfahren hatten, was der Beweggrund für die Geldspende der unbekannten Dame aus Rheinfelden war, begannen wir uns mit der Frage zu beschäftigen: Was passiert eigentlich nach einer Trennung mit all den abgelegten Eheringen? Dieses Symbol der Unendlichkeit und des Versprechens einer gemeinsamen Zukunft landet allzu oft sprichwörtlich in der Schublade. Unsere Recherche ergab, dass mehr als 300.000 Eheringe in Deutschland so jährlich ihre Funktion verlieren. Und ein hoher Materialwert an Gold und Silber ungenutzt bleibt. Mit unserer Spendenaktion wollen wir diesen Schatz heben und diesem emotionalen Symbol eine neue Bestimmung geben! Als wir beinahe drei Jahre später Frau Keßler erzählten, was ihre außergewöhnliche Spende damals ins Rollen gebracht hatte, war sie sehr gerührt.

 

Nachahmer waren schnell gefunden

Die ersten Ringe ließen nicht lange auf sich warten. Seit dem Start der Spendenaktion haben wir 28 Spendenboxen an interessierte Spender versandt und 9 Schmuckspenden im Gesamtwert von rund 980 Euro erhalten. Wir merkten schnell, dass die Spender den sinnstiftenden Zweck und den rituellen Aspekt der Spende zu schätzen wissen. So schrieb uns Kristin Bauer (Name geändert): „Für mich fühlte sich die Spende und schon allein das Einpacken und Verschicken der Ringe wirklich befreiend und erlösend an. Ich bin super glücklich mit dieser Entscheidung und kann es nur jedem, der auch den Gedanken ‚Was mache ich mit den Ringen?‘ mit sich trägt, weiterempfehlen!“

 

Nicht nur Eheringe können gespendet werden

Schmuckspende Laura Haverkamp
Laura Haverkamp spendete gleich mehrere geerbte Schmuckstücke. Sie findet „Mein Papa kommt“ klasse, da sie Patchwork und weite Distanzen zur Familie aus der eigenen Kindheit kennt.

Laura Haverkamp aus Hamburg kramte im Schmuckkästchen nach Erbstücken ihrer 1994 verstorbenen Mutter und spendete unter anderem deren Ehe- bzw. Scheidungsring (die Eltern lebten getrennt seitdem Laura 1,5 Jahre war) sowie andere Schmuckstücke. Ihre Motivation: Nicht nur bei den eigenen Eltern erlebte sie Patchwork (wenn auch nicht über eine große Entfernung). Auch die zweite Ehe des Vaters, aus der Laura eine geliebte (Halb-)Schwester hat, zerbrach. Das Patchwork hier: über 500 km Fahrt und alle Ungewissheit und Belastung, die Patchwork so mit sich bringen kann. An unzähligen Sonntagen hätten Laura Haverkamp, ihrer Schwester und ihrem Vater Kinderzimmer auf Zeit, wie sie von Mein Papa kommt angeboten werden, geholfen, die Zeit zwischen Hotelcheckout und „zur Mutter bringen“ zu überbrücken.

 

So kannst Du uns unterstützen:

Vielleicht hast auch Du einen alten Ehering oder anderen Schmuck, der nicht mehr getragen wird und darauf wartet, für einen guten Zweck eingeschmolzen zu werden? Oder kennst jemanden in Deinem Freundes- und Familienkreis, für den eine Schmuckspende genau das Richtige wäre? Informationen zur Spendenaktion und zum Anfordern unserer eigens entwickelten Spendenbox  findest Du unter scheidungsringe-fuer-kinder.de.

 

Wir freuen uns über Deine Unterstützung! Spread the News! Über Facebook und Co. oder die altbewährte Mund-zu-Mund-Werbung. Vielleicht hast Du auch interessante Kontakte zu Netzwerken und Medien, die uns bei der Bekanntmachung unserer Spendenkampagne helfen können? Schreib einfach eine Email an Danièle Böhm (PR & Marketing Referentin Flechtwerk 2+1).

 

 

Wir danken im Namen der Kinder mit zwei Elternhäusern!

 

Scheidungsringe

Tagesmutter-Wohnung als „Kinderzimmer auf Zeit“

Wir sind begeistert vom Engagement einer Tagesmutter aus Dresden und hoffen auf viele Nachahmer unter Tagesmüttern und Umgangsbegleitern.

Stanley fährt alle zwei Wochen von Freising (bei München) nach Dresden, um seinen mittlerweile zweijährigen Sohn Julian (Name geändert) zu besuchen. Bevor Stanley Mitglied bei Mein Papa kommt wurde, hatte er meistens bei seinem Vater in Dresden übernachtet, manchmal auch im Hotel, das den 31-jährigen einmal über die Weihnachtsfeiertage 350 Euro gekostet hatte. In der kleinen Wohnung seines Vaters war er nie alleine mit seinem Sohn und die Umgebung nicht kindgerecht. Der Aufenthalt im Hotelzimmer war auch keine geeignete Alternative. Der kleine Raum bot wenig Möglichkeiten zum Spielen. Eine gemütliche Atmosphäre für die Papa-Tage fehlte. Daher hat Stanley anfangs viel Zeit mit dem Kleinen draußen verbracht und ist mittags zum Füttern und den Mittagsschlaf zurück in die Wohnung von Julians Mutter. Doch dann ist die Mutter eine neue Beziehung eingegangen und die Lösung war für alle Beteiligten keine Option mehr, obwohl sich Stanley nach wie vor sehr gut mit Julians Mutter versteht.

 

Suche nach einem „Kinderzimmer auf Zeit“

Ein Raum für den Tagesumgang war daher am wichtigsten für Stanley, als er sich an Mein Papa kommt wendete. In Dresden hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Kooperation mit einem Kindergarten oder einem Familienzentrum. Und auch unsere privaten Gastgeber, die einen Aufenthalt mit Kind ermöglichen, waren bereits alle vermittelt. Doch nach einigen Monaten meldete sich eine neue Gastgeberin aus Dresden in unserem Netzwerk an. Zu unserer großen Überraschung bot sie ihre gesamte angemietete Tagesmutter-Wohnung für die Umgangswochenenden an – und zwar samt Übernachtung mit Kind. Die Tagesmutter hatte von unserem Besuchsprogramm erfahren und sofort entschieden, dass sie ihre am Wochenende ungenutzten Räume anbieten wollte. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir Stanley und dem kleinen Julian diese ganz besondere Umgangslösung anbieten konnten.

 

Ferienwohnung im Kita-Stil gefunden

Stanley meldete sich sofort bei der Gastgeberin und wollte sich bei ihr vorstellen. Er war sehr überrascht, dass sie ihm einen großen Vertrauensvorschuss gab und einfach für das nächste Umgangswochenende den Schlüssel hinterlegte. Stanley schaute sich die Wohnung erst einmal alleine an und sah sofort, dass sie perfekt war für die Umgangswochenenden. Seit der Vermittlung im letzten Spätsommer übernachtet nun das Papa-Sohn-Gespann immer in der Zwei-Zimmer-Wohnung, die wie eine „Kita in Klein“ ist: Es gibt einen Schlafraum mit sechs Kinderbettchen, der komplett verdunkelt werden kann, was für den kleinen Julian sehr wichtig ist. Im Wohn- und Spielraum gibt es nur kleine Tische und Stühle und alles an Spielzeugen, was das kleine Kinderherz begehrt. Die Wohnung ist groß genug, dass Julian auch mit dem Laufrad seine Runden drehen kann. Der Kleine fühlt sich sehr wohl und kennt sich schon super in der Tagesmutter-Wohnung aus. Wenn Papa jetzt sagt, dass es Zeit für den Mittagsschlaf ist, stapft Julian gleich los ins Schlafzimmer.

 

Sorgenfrei ins Umgangswochenende

Früher war Stanley mit Julian im Hotel, wo der Raum klein war und er alle Spielzeuge mitbringen musste. Der Vater musste sich immer Gedanken machen, was sie den Tag über unternehmen sollten und wo sie essen werden. Diese Sorgen hat er durch das Kinderzimmer auf Zeit jetzt nicht mehr. Stanley übernachtet nun regelmäßig alle zwei Wochen zusammen mit Julian in der Tagesmutter-Wohnung, manchmal sogar öfter im Monat. Er kann die Wohnung immer von Freitag Abend bis Montag Morgen nutzen und hat ein Kühlschrankfach für seine Sachen, sodass die beiden kochen können. Bettwäsche für sich und seinen Sohn bringt er immer mit. Dass er die Wohnung gereinigt hinterlässt, ist für ihn selbstverständlich. Stanley kündigt seinen Aufenthalt jedes Mal vorher an. Nach wie vor hinterlegt die Gastgeberin ganz unkompliziert den Schlüssel, sodass beide zeitlich nicht an eine persönliche Übergabe gebunden sind. Für Stanley ist die Lösung mit der Tagesmutter-Wohnung für seine derzeitige Situation perfekt. Am Anfang fand er es verwunderlich, dass die Tagesmutter ihm einfach die Wohnung kostenfrei überlässt. Stanley würde sogar für eine Kita mit Übernachtungsmöglichkeit zahlen, wenn es so etwas gäbe. Zu Weihnachten hat er der Tagesmutter ein Schokoladen-Geschenk gemacht.

 

Weitere „Kinderzimmer auf Zeit“ dringend gesucht!

Das Beispiel von Stanley und dem kleinen Julian zeigt, wie wichtig kindgerechte Räume gerade für den Umgang mit kleinen Kindern sind. Viele unserer Flechtwerk-Väter und -Mütter sehen ihre Kleinkinder nur für einige Stunden am Tag. Für einen qualitätsvollen Umgang sind Kinderzimmer auf Zeit in Kitas, Kindergärten, Mütter- und Familienzentren oder kirchlichen Einrichtungen unerlässlich.

 

Habt Ihr in Eurer Einrichtung auch einen kindgerechten Raum, den Ihr am Wochenende stundenweise zur Verfügung stellen könnt? Es muss keine voll ausgestattete Kita sein! Ein kindgerechter Raum mit einigen Spielzeugen und Zugang zu einer Toilette genügen. Wir haben bisher nur diese eine Tagesmutter-Wohnung in Dresden als Kinderzimmer auf Zeit. Vielleicht kennt Ihr auch eine Tagesmutter oder eine Umgangsbegleiterin, die eine Wohnung angemietet hat und diese am Wochenende zur Verfügung stellen kann? Wir brauchen Kinderzimmer auf Zeit in allen Städten, in denen kleine Kinder von einem weit entfernt lebenden Elternteil besucht werden.

 

Aktuell suchen wir dringend Kooperationspartner in:

 

Berlin
Ennepetal
Münster
Oldenburg
Stuttgart

 

Wir freuen uns über Eure Unterstützung! Und danken im Namen der Kinder mit zwei Elternhäusern!

 

 

Zur Anmeldung

 

 

 

 

 

 

Umgangskosten-Rechner

Berechne hier, wie viel Du mit „Mein Papa kommt“ sparen kannst.

Hast Du auch immer hohe Übernachtungskosten, wenn Du Dein Kind besuchst? Das muss nicht sein!

Mein Kind lebt km entfernt von mir. Ich besuche es ungefähr mal im und reise mit an. Für die Übernachtung zahle ich pro Besuch ca. €.

Geld sparen mit „Mein Papa kommt“*

Väter, – und auch Mütter – die nach Trennung oder Scheidung in großer räumlicher Distanz zu ihrem Kind leben, leiden unter einer hohen finanziellen Belastung. Zusätzlich zu den Unterhaltskosten entstehen für die pendelnden Väter hohe Kosten zur Realisierung des Umgangs. Zu den Mehrkosten und dem Mehraufwand für den Umgang gehören neben der Verpflegung und Freizeitgestaltung während des Treffens mit dem Kind auch die Fahrtkosten und Übernachtungskosten.

Hotels zu teuer für Umgangswochenenden

In der Wohnung der Kindesmutter können die Trennungsväter meist nicht übernachten. So bleiben den Vätern nur kostspielige Unterkünfte wie Hotels oder Pensionen. Das Hotel als Umgangsort ist kein Schnäppchen. Zudem bieten Hotels und Pensionen nur eine anonyme Übernachtung. Airbnb, Couchsurfing & Co bieten eine Alternative zum Hotel. Auf Dauer sind jedoch auch Buchungen über Airbnb für die Väter zu teuer und in ländlichen Gebieten finden sich kaum Anbieter. Couchsurfing und andere Hospitality Exchange Networks bieten eher ein studentisches, provisorisches Ambiente für kurze Aufenthalte in fremden Städten. Das kostenfreie Übernachten bei Couchsurfing ist für einen Vater sicher keine Dauerlösung, da es keine verlässliche Lösung bietet und auch nicht gerade altersgerecht ist. Außerdem ist auch Couchsurfing auf dem Lande nicht sehr verbreitet. Diese Arten des preisgünstigen Wohnens auf Zeit sind somit nicht geeignet für Umgangswochenenden.

Verlässliche und kostengünstige Unterkünfte für Umgangswochenenden

Das gemeinnützige Unternehmen Flechtwerk 2+1 unterstützt durch das Programm „Mein Papa kommt“ Väter oder Mütter, die weit zu ihrem Kind anreisen müssen, um den Umgang wahrnehmen zu können. „Mein Papa kommt“ vermittelt pendelnde Väter an ehrenamtliche Gastgeber am Wohnort des Kindes, bei denen sie kostenfrei in einem Gästezimmer übernachten können. Die Väter schlafen nicht in einem anonymen Hotel, sondern bei Gastgebern, die ihnen eine private Rückzugsmöglichkeit am Umgangsort bieten und sie darüber hinaus in ihrer Vaterschaft wertschätzen.

Umgangskosten-Rechner von „Mein Papa kommt“

Mit dem Umgangskosten-Rechner von „Mein Papa kommt“ können „Langstreckenväter“ einfach ausrechnen, wie hoch der durchschnittliche finanzielle Aufwand zur Realisierung des Umgangs mit dem Kind jeden Monat ist. Zudem errechnet der Umgangskosten-Rechner auch den Betrag, den Trennungsväter durch eine Premium-Mitgliedschaft bei „Mein Papa kommt“ sparen können. Denn Mitglieder, die das Besuchsprogramm von „Mein Papa kommt“ nutzen, zahlen monatlich nur 12,- EUR anstatt eine hohe Hotelrechnung. Und Premium-Mitglieder, die am Papawochenende mit dem Fernbus zu ihrem Kind reisen, erhalten von Flechtwerk 2+1 einen Flixbus-Gutschein und damit zusätzlich einen 10%-Rabatt auf jede Fahrt. Allein mit dieser Ermäßigung rechnet sich für Premium-Mitglieder häufig bereits der Mitgliedsbeitrag von „Mein Papa kommt“, da sie bei der monatlichen Reise zum Kind mit dem Fernbus hin und zurück 12,- EUR oder mehr sparen. Mithilfe des Umgangskosten-Rechners von „Mein Papa kommt“ können Interessierte in wenigen Sekunden ausrechnen, um wie viel sie ihre individuellen Kosten reduzieren können. Die Ermittlung der durchschnittlichen Mobilitätskosten mit dem Auto, der Bahn oder dem Fernbus übernimmt dabei ganz komfortabel der Umgangskosten-Rechner. Mit einem Klick werden die aktuellen Ausgaben zur Umgangsrealisierung und die möglichen Einsparungen durch das Programm „Mein Papa kommt“ deutlich.

 

*Das Programm „Mein Papa kommt“ vermittelt Vätern/Müttern, die weit von ihren Kindern entfernt leben,  ehrenamtliche Gastgeber und „Kinderzimmer auf Zeit“ am Wohnort des Kindes.

ZFF Positionspapier zum Wechselmodell

Als Mitglied des Zukunftsforum Familie (ZFF) freuen wir uns von „Mein Papa kommt“ über den neuen Beitrag des ZFF zum Wechselmodell.

 

Download Positionspapier

 

Mitgliedschaft im ZFF

Seit 2014 sind wir von Flechtwerk 2+1 Mitglied im Zukunftsforum Familie e.V. Das ZFF verfolgt das Ziel, Familie in ihrer Vielfalt zu unterstützen und zu stärken. Familienpolitik – so die Position des Zukunftsforums – muss sich an demokratischen und solidarischen Zielen orientieren und allen Bevölkerungsgruppen und familiären Lebensformen gerecht werden.

Positionspapier zum Wechselmodell

Dass dies für das ZFF auch für Trennungsfamilien gelten muss, zeigt das neue Positionspapier „Vielfalt Familie – Vielfältige Trennungsfamilie“. Das Positionspapier beleuchtet ausführlich rechtliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Aspekte und regt eine differenzierte Diskussion an, die wir von Flechtwerk 2+1 unterstützen. Wir Flechtwerker freuen uns, dass das ZFF bei der kritischen Auseinandersetzung mit dem Wechselmodell auch darauf aufmerksam macht, dass einige getrennte Eltern weit voneinander entfernt leben und ein Wechselmodell unter diesen Rahmenbedingungen nicht umzusetzen ist.

Anregungen von Flechtwerk-Eltern sind gefragt

Das ZFF schätzt unsere Erfahrungen, die wir im Rahmen unserer Arbeit mit multilokalen Familiensettings machen und holt sich in regelmäßigen Abständen unsere Meinung zu unterschiedlichen Trennungsthemen ein. Daher laden wir unsere Flechtwerk-Väter und -Mütter grundsätzlich ein, uns immer wieder auf Handlungsbedarfe hinzuweisen. Diese Anregungen geben wir gerne an das ZFF weiter.

Zu Gast bei Gastgebern

Wer engagiert sich eigentlich für „Mein Papa kommt“? Und warum? Zwei Münchener Gastgeber haben uns zu sich nach Hause eingeladen und von ihren Erfahrungen erzählt.

„Mein Haus ist offen“

Die drei Kinder von Barbara Baum sind schon lange aus dem Haus. In ihrem mehrstöckigen Reihenhaus im Stadtteil Bogenhausen ist daher viel Platz für Gäste. Schon immer lebt Frau Baum nach dem Motto des „offenen Hauses“. So vermietet sie immer wieder mal zwei der ehemaligen Kinderzimmer für wenig Geld an Studenten. Und auch wenn Verwandte und Bekannte oder deren Kinder mal einen Unterschlupf für einige Zeit brauchen, öffnet sie gerne ihre Tür. Daher war sie gleich begeistert, als sie über einen persönlichen Kontakt von der Initiative Mein Papa kommt erfuhr. Und meldete sich an.

 

Gastgeberin Mein Papa kommt
Barbara Baum hat einen großen Garten, in dem der Papa mit seinem Kind toben kann.

Für Flechtwerk-Eltern stellt sie das dritte ehemalige Kinderzimmer zur Verfügung. In dem großzügigen Raum gibt es neben einem großen Bett eine Schlafcouch und viele Brettspiele und Kinderbücher. Sogar mit einem Kleinkindbett könnte Frau Baum durch ihre Enkelkinder aushelfen. Einem Aufenthalt mit Kind steht also nichts im Wege. Im Gegenteil, Frau Baum würde sich sehr freuen! „Allerdings habe ich erst ein einziges Mal einen Vater als Gast empfangen“, berichtet sie. Ein anderer Vater hatte sich bei Frau Baum vorgestellt, dann aber doch nicht von der Übernachtungsmöglichkeit Gebrauch gemacht. Sie vermutet, dass ihr Haus zu weit entfernt vom Wohnort des Kindes liegt. Und ein dritter Vater hatte Kontakt aufgenommen, dann aber wieder abgesagt, da der geplante Umgangstermin von der Mutter des Kindes abgesagt worden war.

 

Frau Baum hat Verständnis für die missliche Lage der Väter und ist auch interessiert an den persönlichen Geschichten. „Ich würde mich aber nie einmischen“, betont sie. „Und natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn ein Vater oder eine Mutter regelmäßig zu mir käme. Denn es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich zu engagieren.“

 

„Einfach mal jemandem Raum schenken“

Zu Bernd Hawe kommen schon seit dem Jahr 2014  Väter zu Besuch, aber keiner von ihnen regelmäßig. Manchmal hat er einige Wochenenden hintereinander Gäste, dann wieder einen längeren Zeitraum keine Anfragen. Er bekommt die ganzen Geschichten und teilweise Dramen rund um die Organisation des Papa-Wochenendes in München mit. „Die Väter müssen so viel arrangieren und ärgern sich, wenn es nicht so rund läuft. Ist doch toll, wenn die Väter dann wissen, dass dank Mein Papa kommt wenigstens die Übernachtung geregelt ist!“

 

Gastgeber Mein Papa kommt
Bernd Hawe räumt gerne für „seine“ Väter – und auch deren Kinder oder Partnerinnen – sein Bett.

Mit kurzfristigen Absagen hat der Gastgeber kein Problem. Und er sieht sich durch die Gäste überhaupt nicht eingeschränkt. Den Vätern überlässt er während der Besuchszeit sein geräumiges Schlafzimmer und zieht sich selbst in das Wohnzimmer mit Schlafcouch zurück. Wenn er seinen Gast nicht persönlich in seiner Zweizimmerwohnung mitten in München empfangen kann, bittet er einen Nachbarn um die Schlüsselübergabe. „Bisher lief jeder Besuch ganz unkompliziert ab. Alles wird immer tiptop hinterlassen. Es klappt einfach, den Raum zu teilen“, schwärmt er.

 

Seine Gäste beschreibt er als sehr unaufdringlich und dankbar. „Bei einem Vater habe ich mit der Zeit rausgehört, dass er gerne auch mal seine neue Partnerin mitnehmen würde. Und am liebsten auch sein Kind über Nacht bei sich hätte. Für mich kein Problem. Ich habe sie gleich alle drei eingeladen!“ Und da die neue Partnerin nicht bei der Mutter des Kindes willkommen ist, frühstückt Bernd Hawe mit ihr, während der Vater sein Kind bei der Mutter abholt. „Auch die Schwester oder ein Freund des Vaters sind schon bei mir untergekommen, wenn sie die den Vater begleiten wollten.“

 

Er kennt die Initiative noch aus den Anfangszeiten, als Annette Habert zunächst aus einem privaten Engagement heraus eine Lösung für anreisende Trennungsväter suchte. Bis heute spürt man die Leidenschaft, mit der er hinter seinem ehrenamtlichen Engagement steht. Natürlich freut er sich, wenn er durch kleine Aufmerksamkeiten von seinen Gästen überrascht wird. Mal ist es eine Teemischung, mal ein kleiner Gutschein. „Einmal habe ich eine selbstgemalte Dankeskarte von einem Kind bekommen. Da geht einem natürlich das Herz auf!“

 

 

Überall, wo Kinder leben, suchen wir Gastgeber!

Möchtest auch Du Gastgeber werden?  Oder es Freunden empfehlen? Hier geht es zur Anmeldung:

 

 

Gastgeber werden

 

 

Im nächsten Newsletter würden wir gerne Gastgeber vorstellen, die einen Vater über einen längeren Zeitraum unterstützt haben. Dürfen wir ein telefonisches Interview mit Dir führen? Bitte komm auf uns zu!

Finanzielle Situation nach Trennungen

Wir geben einen Überblick mit Informationen zu Unterhalt, Umgangskosten, Hilfe bei Verschuldung und Sparmöglichkeiten bei hohen Reise- und Übernachtungskosten.

Familienleistungen

Mit dem Info-Tool Familie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann man in wenigen Schritten ermitteln, auf welche Familienleistungen oder -hilfen die Eltern und Kinder voraussichtlich Anspruch haben.

Titel Familien Tool

Unterhalt

Die Düsseldorfer Tabelle dient als Richtlinie zur Bemessung des Kindesunterhalts. Auch wenn der Name vielleicht irreführend klingt, ist die Tabelle deutschlandweit gültig. Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft über die Höhe des Unterhalts, der nach einer Trennung für Kinder gezahlt werden muss, wenn diese nicht im eigenen Haushalt leben. Der Unterhaltsbedarf ergibt sich aus der Tabelle unter Berücksichtigung des Nettoeinkommens und des Alters der Kinder. Der Unterhaltsbedarf ist nicht identisch mit dem Zahlbetrag. Die Höhe der Zahlung ergibt sich nach Abzug der Hälfte des monatlichen Kindergelds. Der Eigenbedarf für einen erwerbstätigen Unterhaltszahler beläuft sich auf 1.080 Euro. Für einen nicht erwerbstätigen Unterhaltsverpflichteten liegt der notwendige Eigenbedarf bei 880 Euro im Monat.

 

Das Umgangsrecht ist übrigens nicht davon abhängig, ob Unterhalt gezahlt wird. Jeder Elternteil hat das Recht und die Pflicht, Kontakt zu seinem Kind zu haben – ganz gleich, ob Unterhalt gezahlt wird oder nicht. Wird der Kontakt zum Kind verweigert, berechtigt dies andererseits nicht den Unterhaltspflichtigen, die Zahlungen einzustellen oder zu kürzen.

 

Kritische Stimmen zur Düsseldorfer Tabelle

Die Änderungen an der Düsseldorfer Tabelle zum 1.1.2018 werden u.a. vom Deutschen Juristinnenbund stark kritisiert, da beispielsweise einige Kinder aufgrund der angehobenen Gehaltsklassen weniger Unterhalt erhalten. Der Landesverband des VAMV Bayern (Verband alleinerziehender Mütter und Väter) ruft zu einer Protestaktion auf.

 

Unterhaltsvorschuss

Der Unterhaltsvorschuss entlastet, wenn der Barunterhalt des anderen Elternteils ausbleibt und unterstützt damit die Alleinerziehenden. Hierbei gibt es keine Einkommensgrenze für den alleinerziehenden Elternteil. Ein gerichtliches Unterhaltsurteil gegen den anderen Elternteil ist nicht erforderlich. Zum 1. Juli 2017 wurde das Unterhaltsvorschussgesetz erweitert. Zuvor unterstützte der Unterhaltsvorschuss höchstens für 72 Monate und bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres des Kindes. Das wurde nun geändert: Seit dem 1. Juli 2017 können Alleinerziehende auch für ältere Kinder, d.h. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, Unterhaltsvorschuss erhalten. Und das ohne Begrenzung der Bezugsdauer.

 

Der andere Elternteil wird sofort über die Beantragung des Unterhaltsvorschusses informiert und zur Zahlung bzw. zur Auskunft über seine Einkommensverhältnisse aufgefordert. Er muss darlegen, dass er alle zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, seiner Leistungsverpflichtung vollständig nachzukommen. Der Staat kann die Zahlungen des Unterhaltsvorschusses vom unterhaltspflichtigen Elternteil zurückfordern und einklagen, wenn dieser während der Zahlung des Unterhaltsvorschusses auch leistungsfähig war und den Unterhalt tatsächlich aufbringen hätte können.

 

Ausführliche Informationen bietet die Broschüre zum Unterhaltsvorschuss des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

Umgangskosten

Die Umgangskosten müssen vom umgangsberechtigten Elternteil getragen werden und können nicht steuerlich abgesetzt werden. Nur in einigen Ausnahmefällen ist es möglich, sie steuerlich abzusetzen. Informationen findet Ihr dazu unter www.familienrecht.de. Der Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt, muss sich nicht an den Kosten beteiligen. Wenn jedoch der besuchende Elternteil eine lange Anreise hat und das Kind zu sich holt, kann dieser von dem anderen Elternteil verlangen, dass das Kind auf dessen Kosten zum nächsten Bahnhof, Flughafen oder zur nächsten Autobahnauffahrt gebracht wird. Wenn der besuchende Elternteil ALG II bezieht, kann er vom Jobcenter einen Zuschuss zu den Kosten des Umgangs erhalten. Das gilt auch für den alleinerziehenden Elternteil, wenn dieser das Kind zum getrenntlebenden Elternteil bringt. Weitere Infos unter www.scheidung-online.de.

 

Geld sparen bei weiter Anreise zum Kind

Mit dem Umgangskosten-Rechner von Mein Papa kommt könnt Ihr ausrechnen, wie viel Ihr monatlich und jährlich bei den Umgangskosten sparen könnt.

Mein Kind lebt km entfernt von mir. Ich besuche es ungefähr mal im und reise mit an. Für die Übernachtung zahle ich pro Besuch ca. €.

 

Dank der Kooperation mit FlixBus können Mitglieder von Mein Papa kommt auch bei den Fahrtkosten sparen, denn jeder Vater und jede Mutter erhält auf Fahrten zum Kind mit dem FlixBus 10 % Rabatt.

 

Für Eltern in prekären Finanzsituationen bieten wir bei Mein Papa kommt eine Befreiung vom Mitgliedsbeitrag an. Unsere Sozialplätze finanzieren wir durch Spenden.

 

Eltern im ALG II-Bezug können sich den Mitgliedsbeitrag für Mein Papa kommt über den Mehrbedarf zurückerstatten lassen.

 

Wir vermitteln auch Gastgeber für den alleinerziehenden Elternteil, wenn er das Kind zum alleinlebenden Elternteil begleitet. Bezieht also der alleinerziehende Elternteil ALG II, ist zu empfehlen, dass dieser sich auf die Reise zur Realisierung des Umgangs macht, da er die Fahrtkosten erstattet bekommt.

 

Anwalts- und Gerichtskosten

Der sogenannte Verfahrenswert bildet die Grundlage für die Berechnung der Anwalts- und Gerichtskosten bei einer Scheidung. Dieser berechnet sich aus dem Nettoeinkommen beider Ehegatten, multipliziert mal drei Monate. Sowohl das Gericht, als auch der Anwalt erhalten einen exakt fest­gesetz­ten Bruch­teil des Ver­fahrens­werts. Beispielrechnungen und Einsparpotenziale listet das Scheidungsportal www.scheidung.de auf.

 

Das Honorar einer Erstberatung beim Anwalt ist regional unterschiedlich, sollte aber nicht mehr als 250 Euro netto betragen. Die Rechtschutzversicherung übernimmt häufig die Kosten. Rechtssuchende, die sich in einer prekären finanziellen Situation befinden, können beim zuständigen Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Der Schein erfordert beim Rechtsanwalt nur noch eine Zuzahlung von 15 Euro. Weitere Informationen liefert der Väterratgeber des Väterzentrums Berlin (8 Euro zzgl. Versandkosten).

 

Verschuldung

Der Ratgeber „Schulden abbauen – Schulden vermeiden“ von der Bundesregierung informiert sowohl über Wege aus der Schuldenkrise, als auch über Möglichkeiten der Vorbeugung.

 

Beratungsstellen

Staatliche Beratungsstellen sind in der Regel kostenfrei. Beratungen bieten folgende Stellen:

Deutscher Caritasverband

Deutsche Rote Kreuz

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband

Die Arbeiterwohlfahrt

Verbraucherzentralen

In manchen Städten haben auch die Sozialämter Schuldnerberatungsstellen.
In einem ersten Beratungsgespräch lässt sich klären, ob möglicherweise die Sozialhilfe die Kosten für die Schuldnerberatung übernehmen kann.

 

Anonyme Insolvenzler
Die Anonymen Insolvenzler sind ein Netzwerk von bundesweit agierenden Selbsthilfegruppen, in denen Betroffene in einem geschützten Rahmen kostenlos Hilfe zur Selbsthilfe erfahren. Die Gesprächskreise wurden 2007 in Köln gegründet und werden mittlerweile in 15 Städten kostenfrei angeboten. Die Gesprächskreise werden finanziert und organisiert von der gemeinnützigen TEAM U – RESTART gGmbH.

 

Online-Beratung

Wer sich (zunächst) online beraten lassen möchte, kann dies zum Beispiel anonym bei der Caritas per Email über das Onlineportal.

Weitere seriöse Hilfsangebote im Internet:

www.meine-schulden.de

www.forum-schuldnerberatung.de

 

Telefonauskunft

Wer sich telefonisch über Beratungsmöglichkeiten informieren möchte, kann den Bürgerservice der Bundesregierung unter der Festnetznummer 030 18 272 272­0 oder die Behördennummer 115* anrufen.

 

* Die Behördennummer 115 ist in der Regel zum Festnetz­tarif erreichbar und in vielen Flatrates enthalten.

 

Taschengeld für Kinder von getrennten Eltern

Der Kindesunterhalt deckt das Taschengeld bereits ab. Daher ist der getrennt lebende Elternteil zu keinen Taschengeldzahlungen verpflichtet. Es spricht jedoch nichts gegen ein kleines „Papa- oder Mama-Taschengeld“, das ausschließlich an den Umgangstagen genutzt wird. Auf diese Weise kann das Kind auch im Zusammensein mit dem Elternteil, bei dem es nicht dauerhaft lebt, einen eigenverantwortlichen Umgang mit Geld erlernen und zugleich erfahren, dass finanzielle Ressourcen begrenzt sind. Wichtig ist, dass das Kind selbst über das Taschengeld bestimmt und aus Fehlkäufen lernt – es also konsequent keine erneute Auszahlung gibt, wenn unglücklicherweise Ebbe im Kinderportemonnaie herrscht.

 

Fehlt etwas?

Wir freuen uns über Anregungen von Euch und ergänzen gerne den Blogbeitrag. Schreibt eine Email an Danièle Böhm.

Ab auf die Insel

In diesem Sommer konnten Flechtwerk-Väter einen ganz besonderen Urlaub auf der holländischen Insel Schiermonnikoog machen. Ein Vater berichtet von seinen Erlebnissen.

Bei unserer Nutzerbefragung Ende letzten Jahres konnten wir als Dankeschön unter allen Teilnehmern einen Urlaub auf der holländischen Insel Schiermonnikoog verlosen. Die Aktion wurde möglich durch Christine und Lothar vom „Schierlicht“. Die beiden bauen momentan ein Gäste- und Seminarhaus auf und freuen sich über Urlaubsgäste. Zu unserer großen Überraschung haben uns die beiden dann im Mai angeboten, dass wir auch andere interessierte Flechtwerk-Väter einladen dürfen zu einem ganz besonderen Urlaub auf Schiermonnikoog in diesem Sommer. Die Unterkunft gibt es für die Väter und ihre Kinder gratis. Mancher hilft auch ein bisschen bei den Renovierungsarbeiten. Für die Anreise und Verpflegung kommen die Väter selbst auf. Gratis dazu gibt es viele tolle Tipps für Unternehmungen auf der Insel. Das ist ein Urlaub für Papa und Kind mal anders: mit viel Raum und Zeit für gemeinsame Entdeckungstouren zwischen Watt und Dünen und obendrein kostengünstig. Für Ulrich und seine sechsjährige Tochter Julia kam die Urlaubseinladung im Mai wie gerufen.

 

Kapitänshaus Schierlicht
Das „Kapitänshaus“ im Schierlicht wird gerade renoviert.

Das wichtigste zuerst: Wie hat Deine Tochter reagiert, als Du Ihr erzählt hast, dass Ihr im „Kapitänshaus Schierlicht“ Urlaub machen werdet?
Julia war begeistert! Ich hatte ihr im Frühjahr etwas blauäugig versprochen, dass wir Urlaub an der Nordsee machen werden. Als ich nach Unterkünften suchte, war bereits alles ausgebucht. Dann kam noch hinzu, dass mein Auto einen Totalschaden hatte und fraglich war, ob ich überhaupt einen Urlaub finanzieren könnte. Da kam das Angebot mit der kostenfreien Unterkunft auf Schiermonnikoog genau richtig. Julia war überrascht, dass wir sogar auf eine Insel fahren und in einem Kapitänshaus wohnen werden.

 

Gästehaus Schierlicht
Auch am Gästehaus im großzügigen Garten wird noch gewerkelt.

Wie lange ward Ihr dort?
13 Tage. Das war genau richtig, nicht zu lang und nicht zu kurz.

 

Wie lief der Urlaub ab und was hat Euch erwartet?
Zunächst gab es noch einen Wermutstropfen, denn wir hatten eigentlich die zweite Augustwoche geplant. In diesem Zeitraum sollten mehrerer Väter und Mütter mit ihren Kindern Urlaub im „Schierlicht“ machen. Julias Mutter hat diesem Zeitraum jedoch leider nicht zugestimmt, daher mussten wir den Urlaub vorziehen. Aber auch zu unserer Urlaubszeit war dort in der ersten Woche ein Vater mit drei Kindern und in der zweiten Woche eine Familie. Bei Christine und Lothar ist ein ständiges Kommen und Gehen der Gäste, es ist viel Bewegung. Aber genau das hat Julia gut gefallen. Besonders das Frühstück und Abendessen in größerer Runde haben wir sehr genossen.

 

Kühe auf Schiermonnikoog
Es ist nie weit bis zur nächsten Kuh auf Schiermonnikoog!

Was habt Ihr tagsüber gemacht?
Wir waren oft draußen unterwegs. Das Wetter war überwiegend gut. Und auch, wenn es am Morgen mal schlecht ist auf Schiermonnikoog, bläst der Wind die Wolken schnell weg, sodass es am Mittag schon wieder schön ist. Lothar gab uns den Tipp, dass ein Fahrradverleih extra Tandems für Eltern und Kinder anbietet. So haben wir auf dem Zweigespann die Insel erkundet, vorne Julia auf dem „Kindersitz“ und ich mit der Lenkung hinten. Die Insel bietet Natur pur. Endlose Strände und Wiesen mit vielen Kühen und Schafen. Es gibt kaum Autos, dafür umso mehr Fahrräder. Natürlich haben wir auch eine Wattwanderung gemacht und eine riesige Tüte voll Muscheln gesammelt. Und auch das Meer war warm genug, um in die Wellen zu springen. Es gibt viel zu entdecken auf Schiermonnikoog: den Yachthafen, das Museumsdorf, den Süßwassersee, an dem man nicht nur Kanufahren und Schwimmen, sondern auch wunderbar Vögel beobachten kann. An einem Tag hat uns Lothar einen Drachen geliehen, mit dem wir zum Strand gegangen sind. Da wir vorher noch nie einen Drachen in der Hand gehabt hatten, mussten Julia und ich uns sehr gedulden. Am Strand haben wir auch den alten Bus entdeckt, wo die Kinder malen können. Erst war Julia schüchtern, aber ich habe sie ermutigt, mitzumachen. Dann fand sie es ganz toll. Mit Christine sind wir auch einmal zu einem Bauernhof, wo wir Milch geholt haben. Julia konnte dort die Kälbchen sehen und beim Melken zuschauen.

 

Malaktion für Kinder Schiermonnikoog
Eine Fata Morgana? Nein, ein ausrangierter Bus stand als Malatelier für die kleinen Urlaubsgäste am Strand bereit. Julia hat natürlich auch gleich mit Pinsel und Farbe losgelegt.

Hattet Ihr auch ein besonderes Erlebnis während Eures Urlaubs?
Ja, eine abenteuerliche Fahrradtour durch die Dünen. Als wir mit dem Tandem unterwegs waren, hat Julia gesehen, wie BMX-Fahrer in einen Weg eingebogen sind. Sie wollte dann unbedingt schauen, wohin der Weg führt, obwohl ich Zweifel hatte, dass er für ein schweres Tandem geeignet war. So kam es dann auch. Irgendwann musste ich das Tandem schieben und Julia laufen. Wir hatten uns zudem verlaufen. Julia hatte Sorge, dass wir nicht zurück finden könnten. Aber ich hatte natürlich eine grobe Orientierung und konnte ihr Sicherheit geben. Ich denke, dass ihr diese Situation mal wieder gezeigt hat, dass sie sich auf ihren Papa hundertprozentig verlassen kann. Es war ein besonderes Papa-Tochter-Erlebnis, das uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Badesee auf Schiermonnikoog
Julia ist mit ihrem Papa natürlich auch zum Badesee gefahren. Ideal für eine Runde im oder auf dem See: und zwar mit dem Kanu.

War es der erste Urlaub für Euch beide im Zweigespann?
Nein, aber es war der erste richtige Urlaub seit langem.

 

Würdest Du anderen Flechtwerk-Vätern diesen Papa-Kind-Urlaub auf Schiermonnikoog empfehlen?
Ja! Er ist super für alle, die gerne in der Natur unterwegs sind, es ruhig und beschaulich mögen. Die Uhren ticken dort wirklich langsamer. Vieles geht auf Vertrauensbasis. Niemand auf der Insel schließt zum Beispiel sein Haus ab. Für den Aufenthalt im „Schierlicht“ ist natürlich von Vorteil, wenn man gerne herumwerkelt. Als wir dort waren, wurde gerade ein Hühnerstall gebaut und gepflastert. Christine und Lothar haben auch ein tolles Händchen für Kinder. Sie haben uns wirklich herzlich aufgenommen. Als Lothar meine Tochter bei der Abreise fragte, ob wir wiederkommen würden, hat sie spontan geantwortet: Nächstes Jahr! Ich hätte nichts dagegen, wobei es natürlich auch noch andere schöne Urlaubsorte gibt.

 

Drachen Schiermonnikoog
Drachen los!

Welche Unterstützung hast Du bisher über das Urlaubsangebot hinaus von „Mein Papa kommt“ erhalten?
Ich nutze das Angebot, bei ehrenamtlichen Gastgebern zu übernachten. Mittlerweile bleibt auch meine Tochter über Nacht. Bei meinem ersten Gastgeber lief es leider nicht so gut. Aber die Flechtwerker haben mir einen anderen Gastgeber vermittelt, der sehr nett ist. Es hat sich schnell ein familiäres und vertrauensvolles Verhältnis entwickelt. Julia fühlt sich ebenfalls sehr wohl. Außerdem hat mir Annette beim pädagogischen Eltern-Coaching hilfreiche Tipps gegeben, jetzt zum Beispiel für die Einschulung. Denn Julia kommt nach den Sommerferien in die erste Klasse.

 

Die Fotos hat uns Ulrich zur Verfügung gestellt.

„Mein Papa kommt“ mit einem Artikel in die Berliner Zeitung

„Mit Papa in die Herberge“ – von Alena Hecker – erschienen am 26.04.2017

Wenn Eltern sich trennen, leiden die Kleinsten. Besonders kompliziert wird es, wenn Vater und Mutter nach ihrer Trennung auch räumlich auf Distanz gehen. Eine Initiative vermittelt kostenlose Gästezimmer für Elternteile, die weit reisen, um ihr Kind zu besuchen.

 

Familiencafés, Indoorspielplätze, Tierparks, Kindermuseen: Berlin bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie Eltern sich und ihren Nachwuchs am Wochenende beschäftigen können. Immer mehr Mütter und Väter wollen jedoch gerade weg vom großen Trubel. Sie sind weit gereist, um ihr Kind zu besuchen, möchten ungestört Zeit mit ihm verbringen – und wissen nicht, wo. Ronald Leber, der in Wirklichkeit einen anderen Namen hat, ist einer von ihnen. Seit sieben Jahren pendelt er einmal im Monat übers Wochenende zwischen seinem Wohnort im Westen Deutschlands nach Berlin, wo seine Tochter mit ihrer Mutter, deren neuen Mann und ihren Geschwistern zusammenlebt.

 

Laut einem Bericht des Deutschen Jugendinstituts (DJI) führt „die konstant hohe Zahl von Trennungen und Scheidungen in Deutschland dazu, dass sich das Familienleben nach Trennung oder Scheidung oftmals verteilt über mehrere Haushalte und mitunter an verschiedenen Orten abspielt.“ Zunehmend mehr Kinder, Väter und Mütter seien zwischen den verschiedenen Wohnorten der Familie unterwegs, um in Kontakt miteinander zu bleiben – eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Anfangs holt Ronald Leber seine Tochter noch in Berlin ab und nimmt sie zu sich nach Hause, doch das geht nicht lange gut. Also bleibt er selbst über Nacht und mietet sich übers Wochenende in Hostels und Pensionen ein. Doch was ihm fehlt, ist ein Rückzugsort, an dem er mit seinem Kind auch einmal ungestört zu zweit sein, spielen, malen, kochen kann.

 

Schließlich wird Leber auf das Besuchsprogramm „Mein Papa kommt“ aufmerksam. Das von der gemeinnützigen Gesellschaft Flechtwerk 2+1 betriebene Netzwerk will es Kindern aus sogenannten multilokalen Familien ermöglichen, regelmäßigen Kontakt zu ihren weit entfernt lebenden Vätern und Müttern zu haben. Alleinlebende oder Familien am Wohnort des Kindes, die zu Hause noch ein Zimmer frei haben, bieten es Eltern, und manchmal auch den zugehörigen Kindern, kostenlos zum Übernachten an.

 

Rund 800 Elternteile, die Mehrheit von ihnen Väter, haben darüber bereits eine Herberge in der Nähe ihres Kindes gefunden.„Es gibt viele Gründe, weshalb ein Elternteil weit entfernt von seinem Kind lebt“, weiß Annette Habert, Initiatorin des Besuchsprogramms – sei es der Umzug der alleinerziehenden Mutter in die Nähe ihrer Verwandtschaft, Arbeitssuche, Folgepartnerschaft oder eine konfliktreiche Elternschaft. Auf die Trennung vom Partner dürfe nicht auch noch die Trennung vom Kind folgen. Das Besuchsprogramm sieht Habert darum als eine Art Erste Hilfe in turbulenten Zeiten: „Es funktioniert, weil jeder die Sehnsucht kennt, mit Mutter und Vater verbunden zu sein.“

 

In Berlin liest Katharina Müller über die Initiative. Gastfreundschaft ist für sie etwas Selbstverständliches, schon ihre Eltern haben zu DDR-Zeiten während der Ferien Kinder aus Großstädten zu sich nachHause eingeladen, damit diese Urlaub auf dem Land verbringen konnten. „Das waren immer tolle Leute, die kamen.“ Die 62-Jährige sagt sich: Wenn es Menschen gibt, die mit ihrem Angebot etwas anfangen können, warum sollte sie sich dann nicht als Gastgeberin melden?

 

Kurze Zeit später steht zum ersten Mal Ronald Leber in ihrer Zweizimmerwohnung. Die beiden sind sich sympathisch, haben bald ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander. „Meistens kam er schon am Donnerstagabend, und wir haben noch ein bisschen gequatscht. Am nächsten Tag war dann auch seine Tochter hier.“ Häufig essen Vater und Tochter zusammen mit ihrer Gastgeberin, als Dank für die Unterkunft kauft Ronald Leber mehr Lebensmittel ein, als er für sich und seine Tochter braucht.

 

Allein in Berlin engagieren sich aktuell mehr als 50 ehrenamtliche Gastgeber für Flechtwerk 2+1, deutschlandweit sind es rund 900. „Überall, wo Kinder leben, gibt es Trennungen“, so Habert. Umso dankbarer ist sie den ehrenamtlich Engagierten, dass sie nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Urlaubsregionen und auf dem Land Übernachtungsplätze bereitstellen.

 

Zusätzlich kooperieren Habert und ihr Team mit Mütter- und Familienzentren, Kirchengemeinden, Kindergärten und anderen Einrichtungen. Diese bieten „Kinderzimmer auf Zeit“ an, in denen Eltern mit ihren Kindern am Wochenende spielen können. Aus Gesprächen weiß die Pädagogin, dass der Bedarf an solchen Rückzugsmöglichkeiten groß ist. Vollkommen unbefangen könnten sich Eltern und Kind nur begegnen, wenn sie auch einmal unter sich seien.

 

Ronald Leber und seine Tochter kommen in Berlin mittlerweile bei einem anderen Gastgeber unter. Katharina Müller hat nun regelmäßig ihren alleinerziehenden Sohn zu Besuch,wenn er mit seinen Kindern nach Berlin kommt, damit sie die von ihnen getrennt lebende Mutter besuchen können.

 

(Von Alena Hecker, erschienen in der Berliner Zeitung am 26.04.2017)