Finanzielle Situation nach Trennungen

Wir geben einen Überblick mit Informationen zu Unterhalt, Umgangskosten, Hilfe bei Verschuldung und Sparmöglichkeiten bei hohen Reise- und Übernachtungskosten.

Gut zu Wissen Finanzen

Familienleistungen

Mit dem Info-Tool Familie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kann man in wenigen Schritten ermitteln, auf welche Familienleistungen oder -hilfen die Eltern und Kinder voraussichtlich Anspruch haben.

Titel Familien Tool

Unterhalt

Die Düsseldorfer Tabelle dient als Richtlinie zur Bemessung des Kindesunterhalts. Auch wenn der Name vielleicht irreführend klingt, ist die Tabelle deutschlandweit gültig. Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft über die Höhe des Unterhalts, der nach einer Trennung für Kinder gezahlt werden muss, wenn diese nicht im eigenen Haushalt leben. Der Unterhaltsbedarf ergibt sich aus der Tabelle unter Berücksichtigung des Nettoeinkommens und des Alters der Kinder. Der Unterhaltsbedarf ist nicht identisch mit dem Zahlbetrag. Die Höhe der Zahlung ergibt sich nach Abzug der Hälfte des monatlichen Kindergelds. Der Eigenbedarf für einen erwerbstätigen Unterhaltszahler beläuft sich auf 1.080 Euro. Für einen nicht erwerbstätigen Unterhaltsverpflichteten liegt der notwendige Eigenbedarf bei 880 Euro im Monat.

 

Das Umgangsrecht ist übrigens nicht davon abhängig, ob Unterhalt gezahlt wird. Jeder Elternteil hat das Recht und die Pflicht, Kontakt zu seinem Kind zu haben – ganz gleich, ob Unterhalt gezahlt wird oder nicht. Wird der Kontakt zum Kind verweigert, berechtigt dies andererseits nicht den Unterhaltspflichtigen, die Zahlungen einzustellen oder zu kürzen.

 

Kritische Stimmen zur Düsseldorfer Tabelle

Die Änderungen an der Düsseldorfer Tabelle zum 1.1.2018 werden u.a. vom Deutschen Juristinnenbund stark kritisiert, da beispielsweise einige Kinder aufgrund der angehobenen Gehaltsklassen weniger Unterhalt erhalten. Der Landesverband des VAMV Bayern (Verband alleinerziehender Mütter und Väter) ruft zu einer Protestaktion auf.

 

Unterhaltsvorschuss

Der Unterhaltsvorschuss entlastet, wenn der Barunterhalt des anderen Elternteils ausbleibt und unterstützt damit die Alleinerziehenden. Hierbei gibt es keine Einkommensgrenze für den alleinerziehenden Elternteil. Ein gerichtliches Unterhaltsurteil gegen den anderen Elternteil ist nicht erforderlich. Zum 1. Juli 2017 wurde das Unterhaltsvorschussgesetz erweitert. Zuvor unterstützte der Unterhaltsvorschuss höchstens für 72 Monate und bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres des Kindes. Das wurde nun geändert: Seit dem 1. Juli 2017 können Alleinerziehende auch für ältere Kinder, d.h. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, Unterhaltsvorschuss erhalten. Und das ohne Begrenzung der Bezugsdauer.

 

Der andere Elternteil wird sofort über die Beantragung des Unterhaltsvorschusses informiert und zur Zahlung bzw. zur Auskunft über seine Einkommensverhältnisse aufgefordert. Er muss darlegen, dass er alle zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, seiner Leistungsverpflichtung vollständig nachzukommen. Der Staat kann die Zahlungen des Unterhaltsvorschusses vom unterhaltspflichtigen Elternteil zurückfordern und einklagen, wenn dieser während der Zahlung des Unterhaltsvorschusses auch leistungsfähig war und den Unterhalt tatsächlich aufbringen hätte können.

 

Ausführliche Informationen bietet die Broschüre zum Unterhaltsvorschuss des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

Umgangskosten

Die Umgangskosten müssen vom umgangsberechtigten Elternteil getragen werden und können nicht steuerlich abgesetzt werden. Nur in einigen Ausnahmefällen ist es möglich, sie steuerlich abzusetzen. Informationen findet Ihr dazu unter www.familienrecht.de. Der Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt, muss sich nicht an den Kosten beteiligen. Wenn jedoch der besuchende Elternteil eine lange Anreise hat und das Kind zu sich holt, kann dieser von dem anderen Elternteil verlangen, dass das Kind auf dessen Kosten zum nächsten Bahnhof, Flughafen oder zur nächsten Autobahnauffahrt gebracht wird. Wenn der besuchende Elternteil ALG II bezieht, kann er vom Jobcenter einen Zuschuss zu den Kosten des Umgangs erhalten. Das gilt auch für den alleinerziehenden Elternteil, wenn dieser das Kind zum getrenntlebenden Elternteil bringt. Weitere Infos unter www.scheidung-online.de.

 

Geld sparen bei weiter Anreise zum Kind

Mit dem Umgangskosten-Rechner von Mein Papa kommt könnt Ihr ausrechnen, wie viel Ihr monatlich und jährlich bei den Umgangskosten sparen könnt.

Mein Kind lebt km entfernt von mir. Ich besuche es ungefähr mal im und reise mit an. Für die Übernachtung zahle ich pro Besuch ca. €.

 

Dank der Kooperation mit FlixBus können Mitglieder von Mein Papa kommt auch bei den Fahrtkosten sparen, denn jeder Vater und jede Mutter erhält auf Fahrten zum Kind mit dem FlixBus 10 % Rabatt.

 

Für Eltern in prekären Finanzsituationen bieten wir bei Mein Papa kommt eine Befreiung vom Mitgliedsbeitrag an. Unsere Sozialplätze finanzieren wir durch Spenden.

 

Eltern im ALG II-Bezug können sich den Mitgliedsbeitrag für Mein Papa kommt über den Mehrbedarf zurückerstatten lassen.

 

Wir vermitteln auch Gastgeber für den alleinerziehenden Elternteil, wenn er das Kind zum alleinlebenden Elternteil begleitet. Bezieht also der alleinerziehende Elternteil ALG II, ist zu empfehlen, dass dieser sich auf die Reise zur Realisierung des Umgangs macht, da er die Fahrtkosten erstattet bekommt.

 

Anwalts- und Gerichtskosten

Der sogenannte Verfahrenswert bildet die Grundlage für die Berechnung der Anwalts- und Gerichtskosten bei einer Scheidung. Dieser berechnet sich aus dem Nettoeinkommen beider Ehegatten, multipliziert mal drei Monate. Sowohl das Gericht, als auch der Anwalt erhalten einen exakt fest­gesetz­ten Bruch­teil des Ver­fahrens­werts. Beispielrechnungen und Einsparpotenziale listet das Scheidungsportal www.scheidung.de auf.

 

Das Honorar einer Erstberatung beim Anwalt ist regional unterschiedlich, sollte aber nicht mehr als 250 Euro netto betragen. Die Rechtschutzversicherung übernimmt häufig die Kosten. Rechtssuchende, die sich in einer prekären finanziellen Situation befinden, können beim zuständigen Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Der Schein erfordert beim Rechtsanwalt nur noch eine Zuzahlung von 15 Euro. Weitere Informationen liefert der Väterratgeber des Väterzentrums Berlin (8 Euro zzgl. Versandkosten).

 

Verschuldung

Der Ratgeber „Schulden abbauen – Schulden vermeiden“ von der Bundesregierung informiert sowohl über Wege aus der Schuldenkrise, als auch über Möglichkeiten der Vorbeugung.

 

Beratungsstellen

Staatliche Beratungsstellen sind in der Regel kostenfrei. Beratungen bieten folgende Stellen:

Deutscher Caritasverband

Deutsche Rote Kreuz

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband

Die Arbeiterwohlfahrt

Verbraucherzentralen

In manchen Städten haben auch die Sozialämter Schuldnerberatungsstellen.
In einem ersten Beratungsgespräch lässt sich klären, ob möglicherweise die Sozialhilfe die Kosten für die Schuldnerberatung übernehmen kann.

 

Anonyme Insolvenzler
Die Anonymen Insolvenzler sind ein Netzwerk von bundesweit agierenden Selbsthilfegruppen, in denen Betroffene in einem geschützten Rahmen kostenlos Hilfe zur Selbsthilfe erfahren. Die Gesprächskreise wurden 2007 in Köln gegründet und werden mittlerweile in 15 Städten kostenfrei angeboten. Die Gesprächskreise werden finanziert und organisiert von der gemeinnützigen TEAM U – RESTART gGmbH.

 

Online-Beratung

Wer sich (zunächst) online beraten lassen möchte, kann dies zum Beispiel anonym bei der Caritas per Email über das Onlineportal.

Weitere seriöse Hilfsangebote im Internet:

www.meine-schulden.de

www.forum-schuldnerberatung.de

 

Telefonauskunft

Wer sich telefonisch über Beratungsmöglichkeiten informieren möchte, kann den Bürgerservice der Bundesregierung unter der Festnetznummer 030 18 272 272­0 oder die Behördennummer 115* anrufen.

 

* Die Behördennummer 115 ist in der Regel zum Festnetz­tarif erreichbar und in vielen Flatrates enthalten.

 

Taschengeld für Kinder von getrennten Eltern

Der Kindesunterhalt deckt das Taschengeld bereits ab. Daher ist der getrennt lebende Elternteil zu keinen Taschengeldzahlungen verpflichtet. Es spricht jedoch nichts gegen ein kleines „Papa- oder Mama-Taschengeld“, das ausschließlich an den Umgangstagen genutzt wird. Auf diese Weise kann das Kind auch im Zusammensein mit dem Elternteil, bei dem es nicht dauerhaft lebt, einen eigenverantwortlichen Umgang mit Geld erlernen und zugleich erfahren, dass finanzielle Ressourcen begrenzt sind. Wichtig ist, dass das Kind selbst über das Taschengeld bestimmt und aus Fehlkäufen lernt – es also konsequent keine erneute Auszahlung gibt, wenn unglücklicherweise Ebbe im Kinderportemonnaie herrscht.

 

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Wir freuen uns über Anregungen von Euch und ergänzen gerne den Blogbeitrag. Schreibt eine Email an Danièle Böhm.

Danièle Böhm

Autor: Danièle Böhm

PR & Marketing Referentin