Ab auf die Insel

In diesem Sommer konnten Flechtwerk-Väter einen ganz besonderen Urlaub auf der holländischen Insel Schiermonnikoog machen. Ein Vater berichtet von seinen Erlebnissen.

Bei unserer Nutzerbefragung Ende letzten Jahres konnten wir als Dankeschön unter allen Teilnehmern einen Urlaub auf der holländischen Insel Schiermonnikoog verlosen. Die Aktion wurde möglich durch Christine und Lothar vom „Schierlicht“. Die beiden bauen momentan ein Gäste- und Seminarhaus auf und freuen sich über Urlaubsgäste. Zu unserer großen Überraschung haben uns die beiden dann im Mai angeboten, dass wir auch andere interessierte Flechtwerk-Väter einladen dürfen zu einem ganz besonderen Urlaub auf Schiermonnikoog in diesem Sommer. Die Unterkunft gibt es für die Väter und ihre Kinder gratis. Mancher hilft auch ein bisschen bei den Renovierungsarbeiten. Für die Anreise und Verpflegung kommen die Väter selbst auf. Gratis dazu gibt es viele tolle Tipps für Unternehmungen auf der Insel. Das ist ein Urlaub für Papa und Kind mal anders: mit viel Raum und Zeit für gemeinsame Entdeckungstouren zwischen Watt und Dünen und obendrein kostengünstig. Für Ulrich und seine sechsjährige Tochter Julia kam die Urlaubseinladung im Mai wie gerufen.

 

Kapitänshaus Schierlicht
Das „Kapitänshaus“ im Schierlicht wird gerade renoviert.

Das wichtigste zuerst: Wie hat Deine Tochter reagiert, als Du Ihr erzählt hast, dass Ihr im „Kapitänshaus Schierlicht“ Urlaub machen werdet?
Julia war begeistert! Ich hatte ihr im Frühjahr etwas blauäugig versprochen, dass wir Urlaub an der Nordsee machen werden. Als ich nach Unterkünften suchte, war bereits alles ausgebucht. Dann kam noch hinzu, dass mein Auto einen Totalschaden hatte und fraglich war, ob ich überhaupt einen Urlaub finanzieren könnte. Da kam das Angebot mit der kostenfreien Unterkunft auf Schiermonnikoog genau richtig. Julia war überrascht, dass wir sogar auf eine Insel fahren und in einem Kapitänshaus wohnen werden.

 

Gästehaus Schierlicht
Auch am Gästehaus im großzügigen Garten wird noch gewerkelt.

Wie lange ward Ihr dort?
13 Tage. Das war genau richtig, nicht zu lang und nicht zu kurz.

 

Wie lief der Urlaub ab und was hat Euch erwartet?
Zunächst gab es noch einen Wermutstropfen, denn wir hatten eigentlich die zweite Augustwoche geplant. In diesem Zeitraum sollten mehrerer Väter und Mütter mit ihren Kindern Urlaub im „Schierlicht“ machen. Julias Mutter hat diesem Zeitraum jedoch leider nicht zugestimmt, daher mussten wir den Urlaub vorziehen. Aber auch zu unserer Urlaubszeit war dort in der ersten Woche ein Vater mit drei Kindern und in der zweiten Woche eine Familie. Bei Christine und Lothar ist ein ständiges Kommen und Gehen der Gäste, es ist viel Bewegung. Aber genau das hat Julia gut gefallen. Besonders das Frühstück und Abendessen in größerer Runde haben wir sehr genossen.

 

Kühe auf Schiermonnikoog
Es ist nie weit bis zur nächsten Kuh auf Schiermonnikoog!

Was habt Ihr tagsüber gemacht?
Wir waren oft draußen unterwegs. Das Wetter war überwiegend gut. Und auch, wenn es am Morgen mal schlecht ist auf Schiermonnikoog, bläst der Wind die Wolken schnell weg, sodass es am Mittag schon wieder schön ist. Lothar gab uns den Tipp, dass ein Fahrradverleih extra Tandems für Eltern und Kinder anbietet. So haben wir auf dem Zweigespann die Insel erkundet, vorne Julia auf dem „Kindersitz“ und ich mit der Lenkung hinten. Die Insel bietet Natur pur. Endlose Strände und Wiesen mit vielen Kühen und Schafen. Es gibt kaum Autos, dafür umso mehr Fahrräder. Natürlich haben wir auch eine Wattwanderung gemacht und eine riesige Tüte voll Muscheln gesammelt. Und auch das Meer war warm genug, um in die Wellen zu springen. Es gibt viel zu entdecken auf Schiermonnikoog: den Yachthafen, das Museumsdorf, den Süßwassersee, an dem man nicht nur Kanufahren und Schwimmen, sondern auch wunderbar Vögel beobachten kann. An einem Tag hat uns Lothar einen Drachen geliehen, mit dem wir zum Strand gegangen sind. Da wir vorher noch nie einen Drachen in der Hand gehabt hatten, mussten Julia und ich uns sehr gedulden. Am Strand haben wir auch den alten Bus entdeckt, wo die Kinder malen können. Erst war Julia schüchtern, aber ich habe sie ermutigt, mitzumachen. Dann fand sie es ganz toll. Mit Christine sind wir auch einmal zu einem Bauernhof, wo wir Milch geholt haben. Julia konnte dort die Kälbchen sehen und beim Melken zuschauen.

 

Malaktion für Kinder Schiermonnikoog
Eine Fata Morgana? Nein, ein ausrangierter Bus stand als Malatelier für die kleinen Urlaubsgäste am Strand bereit. Julia hat natürlich auch gleich mit Pinsel und Farbe losgelegt.

Hattet Ihr auch ein besonderes Erlebnis während Eures Urlaubs?
Ja, eine abenteuerliche Fahrradtour durch die Dünen. Als wir mit dem Tandem unterwegs waren, hat Julia gesehen, wie BMX-Fahrer in einen Weg eingebogen sind. Sie wollte dann unbedingt schauen, wohin der Weg führt, obwohl ich Zweifel hatte, dass er für ein schweres Tandem geeignet war. So kam es dann auch. Irgendwann musste ich das Tandem schieben und Julia laufen. Wir hatten uns zudem verlaufen. Julia hatte Sorge, dass wir nicht zurück finden könnten. Aber ich hatte natürlich eine grobe Orientierung und konnte ihr Sicherheit geben. Ich denke, dass ihr diese Situation mal wieder gezeigt hat, dass sie sich auf ihren Papa hundertprozentig verlassen kann. Es war ein besonderes Papa-Tochter-Erlebnis, das uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Badesee auf Schiermonnikoog
Julia ist mit ihrem Papa natürlich auch zum Badesee gefahren. Ideal für eine Runde im oder auf dem See: und zwar mit dem Kanu.

War es der erste Urlaub für Euch beide im Zweigespann?
Nein, aber es war der erste richtige Urlaub seit langem.

 

Würdest Du anderen Flechtwerk-Vätern diesen Papa-Kind-Urlaub auf Schiermonnikoog empfehlen?
Ja! Er ist super für alle, die gerne in der Natur unterwegs sind, es ruhig und beschaulich mögen. Die Uhren ticken dort wirklich langsamer. Vieles geht auf Vertrauensbasis. Niemand auf der Insel schließt zum Beispiel sein Haus ab. Für den Aufenthalt im „Schierlicht“ ist natürlich von Vorteil, wenn man gerne herumwerkelt. Als wir dort waren, wurde gerade ein Hühnerstall gebaut und gepflastert. Christine und Lothar haben auch ein tolles Händchen für Kinder. Sie haben uns wirklich herzlich aufgenommen. Als Lothar meine Tochter bei der Abreise fragte, ob wir wiederkommen würden, hat sie spontan geantwortet: Nächstes Jahr! Ich hätte nichts dagegen, wobei es natürlich auch noch andere schöne Urlaubsorte gibt.

 

Drachen Schiermonnikoog
Drachen los!

Welche Unterstützung hast Du bisher über das Urlaubsangebot hinaus von „Mein Papa kommt“ erhalten?
Ich nutze das Angebot, bei ehrenamtlichen Gastgebern zu übernachten. Mittlerweile bleibt auch meine Tochter über Nacht. Bei meinem ersten Gastgeber lief es leider nicht so gut. Aber die Flechtwerker haben mir einen anderen Gastgeber vermittelt, der sehr nett ist. Es hat sich schnell ein familiäres und vertrauensvolles Verhältnis entwickelt. Julia fühlt sich ebenfalls sehr wohl. Außerdem hat mir Annette beim pädagogischen Eltern-Coaching hilfreiche Tipps gegeben, jetzt zum Beispiel für die Einschulung. Denn Julia kommt nach den Sommerferien in die erste Klasse.

 

Die Fotos hat uns Ulrich zur Verfügung gestellt.

Umgangskosten-Rechner

Berechne hier, wie viel Du mit „Mein Papa kommt“ sparen kannst.

Hast Du auch immer hohe Übernachtungskosten, wenn Du Dein Kind besuchst? Das muss nicht sein!

Mein Kind lebt km entfernt von mir. Ich besuche es ungefähr mal im und reise mit an. Für die Übernachtung zahle ich pro Besuch ca. €.

Geld sparen mit „Mein Papa kommt“*

Väter, – und auch Mütter – die nach Trennung oder Scheidung in großer räumlicher Distanz zu ihrem Kind leben, leiden unter einer hohen finanziellen Belastung. Zusätzlich zu den Unterhaltskosten entstehen für die pendelnden Väter hohe Kosten zur Realisierung des Umgangs. Zu den Mehrkosten und dem Mehraufwand für den Umgang gehören neben der Verpflegung und Freizeitgestaltung während des Treffens mit dem Kind auch die Fahrtkosten und Übernachtungskosten.

Hotels zu teuer für Umgangswochenenden

In der Wohnung der Kindesmutter können die Trennungsväter meist nicht übernachten. So bleiben den Vätern nur kostspielige Unterkünfte wie Hotels oder Pensionen. Das Hotel als Umgangsort ist kein Schnäppchen. Zudem bieten Hotels und Pensionen nur eine anonyme Übernachtung. Airbnb, Couchsurfing & Co bieten eine Alternative zum Hotel. Auf Dauer sind jedoch auch Buchungen über Airbnb für die Väter zu teuer und in ländlichen Gebieten finden sich kaum Anbieter. Couchsurfing und andere Hospitality Exchange Networks bieten eher ein studentisches, provisorisches Ambiente für kurze Aufenthalte in fremden Städten. Das kostenfreie Übernachten bei Couchsurfing ist für einen Vater sicher keine Dauerlösung, da es keine verlässliche Lösung bietet und auch nicht gerade altersgerecht ist. Außerdem ist auch Couchsurfing auf dem Lande nicht sehr verbreitet. Diese Arten des preisgünstigen Wohnens auf Zeit sind somit nicht geeignet für Umgangswochenenden.

Verlässliche und kostengünstige Unterkünfte für Umgangswochenenden

Das gemeinnützige Unternehmen Flechtwerk 2+1 unterstützt durch das Programm „Mein Papa kommt“ Väter oder Mütter, die weit zu ihrem Kind anreisen müssen, um den Umgang wahrnehmen zu können. „Mein Papa kommt“ vermittelt pendelnde Väter an ehrenamtliche Gastgeber am Wohnort des Kindes, bei denen sie kostenfrei in einem Gästezimmer übernachten können. Die Väter schlafen nicht in einem anonymen Hotel, sondern bei Gastgebern, die ihnen eine private Rückzugsmöglichkeit am Umgangsort bieten und sie darüber hinaus in ihrer Vaterschaft wertschätzen.

Umgangskosten-Rechner von „Mein Papa kommt“

Mit dem Umgangskosten-Rechner von „Mein Papa kommt“ können „Langstreckenväter“ einfach ausrechnen, wie hoch der durchschnittliche finanzielle Aufwand zur Realisierung des Umgangs mit dem Kind jeden Monat ist. Zudem errechnet der Umgangskosten-Rechner auch den Betrag, den Trennungsväter durch eine Premium-Mitgliedschaft bei „Mein Papa kommt“ sparen können. Denn Mitglieder, die das Besuchsprogramm von „Mein Papa kommt“ nutzen, zahlen monatlich nur 12,- EUR anstatt eine hohe Hotelrechnung. Und Premium-Mitglieder, die am Papawochenende mit dem Fernbus zu ihrem Kind reisen, erhalten von Flechtwerk 2+1 einen Flixbus-Gutschein und damit zusätzlich einen 10%-Rabatt auf jede Fahrt. Allein mit dieser Ermäßigung rechnet sich für Premium-Mitglieder häufig bereits der Mitgliedsbeitrag von „Mein Papa kommt“, da sie bei der monatlichen Reise zum Kind mit dem Fernbus hin und zurück 12,- EUR oder mehr sparen. Mithilfe des Umgangskosten-Rechners von „Mein Papa kommt“ können Interessierte in wenigen Sekunden ausrechnen, um wie viel sie ihre individuellen Kosten reduzieren können. Die Ermittlung der durchschnittlichen Mobilitätskosten mit dem Auto, der Bahn oder dem Fernbus übernimmt dabei ganz komfortabel der Umgangskosten-Rechner. Mit einem Klick werden die aktuellen Ausgaben zur Umgangsrealisierung und die möglichen Einsparungen durch das Programm „Mein Papa kommt“ deutlich.

 

*Das Programm „Mein Papa kommt“ vermittelt Vätern/Müttern, die weit von ihren Kindern entfernt leben,  ehrenamtliche Gastgeber und „Kinderzimmer auf Zeit“ am Wohnort des Kindes.

Zu Gast bei Gastgebern

Wer engagiert sich eigentlich für „Mein Papa kommt“? Und warum? Zwei Münchener Gastgeber haben uns zu sich nach Hause eingeladen und von ihren Erfahrungen erzählt.

„Mein Haus ist offen“

Die drei Kinder von Barbara Baum sind schon lange aus dem Haus. In ihrem mehrstöckigen Reihenhaus im Stadtteil Bogenhausen ist daher viel Platz für Gäste. Schon immer lebt Frau Baum nach dem Motto des „offenen Hauses“. So vermietet sie immer wieder mal zwei der ehemaligen Kinderzimmer für wenig Geld an Studenten. Und auch wenn Verwandte und Bekannte oder deren Kinder mal einen Unterschlupf für einige Zeit brauchen, öffnet sie gerne ihre Tür. Daher war sie gleich begeistert, als sie über einen persönlichen Kontakt von der Initiative Mein Papa kommt erfuhr. Und meldete sich an.

 

Gastgeberin Mein Papa kommt
Barbara Baum hat einen großen Garten, in dem der Papa mit seinem Kind toben kann.

Für Flechtwerk-Eltern stellt sie das dritte ehemalige Kinderzimmer zur Verfügung. In dem großzügigen Raum gibt es neben einem großen Bett eine Schlafcouch und viele Brettspiele und Kinderbücher. Sogar mit einem Kleinkindbett könnte Frau Baum durch ihre Enkelkinder aushelfen. Einem Aufenthalt mit Kind steht also nichts im Wege. Im Gegenteil, Frau Baum würde sich sehr freuen! „Allerdings habe ich erst ein einziges Mal einen Vater als Gast empfangen“, berichtet sie. Ein anderer Vater hatte sich bei Frau Baum vorgestellt, dann aber doch nicht von der Übernachtungsmöglichkeit Gebrauch gemacht. Sie vermutet, dass ihr Haus zu weit entfernt vom Wohnort des Kindes liegt. Und ein dritter Vater hatte Kontakt aufgenommen, dann aber wieder abgesagt, da der geplante Umgangstermin von der Mutter des Kindes abgesagt worden war.

 

Frau Baum hat Verständnis für die missliche Lage der Väter und ist auch interessiert an den persönlichen Geschichten. „Ich würde mich aber nie einmischen“, betont sie. „Und natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn ein Vater oder eine Mutter regelmäßig zu mir käme. Denn es ist mir eine Herzensangelegenheit, mich zu engagieren.“

 

„Einfach mal jemandem Raum schenken“

Zu Bernd Hawe kommen schon seit dem Jahr 2014  Väter zu Besuch, aber keiner von ihnen regelmäßig. Manchmal hat er einige Wochenenden hintereinander Gäste, dann wieder einen längeren Zeitraum keine Anfragen. Er bekommt die ganzen Geschichten und teilweise Dramen rund um die Organisation des Papa-Wochenendes in München mit. „Die Väter müssen so viel arrangieren und ärgern sich, wenn es nicht so rund läuft. Ist doch toll, wenn die Väter dann wissen, dass dank Mein Papa kommt wenigstens die Übernachtung geregelt ist!“

 

Gastgeber Mein Papa kommt
Bernd Hawe räumt gerne für „seine“ Väter – und auch deren Kinder oder Partnerinnen – sein Bett.

Mit kurzfristigen Absagen hat der Gastgeber kein Problem. Und er sieht sich durch die Gäste überhaupt nicht eingeschränkt. Den Vätern überlässt er während der Besuchszeit sein geräumiges Schlafzimmer und zieht sich selbst in das Wohnzimmer mit Schlafcouch zurück. Wenn er seinen Gast nicht persönlich in seiner Zweizimmerwohnung mitten in München empfangen kann, bittet er einen Nachbarn um die Schlüsselübergabe. „Bisher lief jeder Besuch ganz unkompliziert ab. Alles wird immer tiptop hinterlassen. Es klappt einfach, den Raum zu teilen“, schwärmt er.

 

Seine Gäste beschreibt er als sehr unaufdringlich und dankbar. „Bei einem Vater habe ich mit der Zeit rausgehört, dass er gerne auch mal seine neue Partnerin mitnehmen würde. Und am liebsten auch sein Kind über Nacht bei sich hätte. Für mich kein Problem. Ich habe sie gleich alle drei eingeladen!“ Und da die neue Partnerin nicht bei der Mutter des Kindes willkommen ist, frühstückt Bernd Hawe mit ihr, während der Vater sein Kind bei der Mutter abholt. „Auch die Schwester oder ein Freund des Vaters sind schon bei mir untergekommen, wenn sie die den Vater begleiten wollten.“

 

Er kennt die Initiative noch aus den Anfangszeiten, als Annette Habert zunächst aus einem privaten Engagement heraus eine Lösung für anreisende Trennungsväter suchte. Bis heute spürt man die Leidenschaft, mit der er hinter seinem ehrenamtlichen Engagement steht. Natürlich freut er sich, wenn er durch kleine Aufmerksamkeiten von seinen Gästen überrascht wird. Mal ist es eine Teemischung, mal ein kleiner Gutschein. „Einmal habe ich eine selbstgemalte Dankeskarte von einem Kind bekommen. Da geht einem natürlich das Herz auf!“

 

 

Überall, wo Kinder leben, suchen wir Gastgeber!

Möchtest auch Du Gastgeber werden?  Oder es Freunden empfehlen? Hier geht es zur Anmeldung:

 

 

Gastgeber werden

 

 

Im nächsten Newsletter würden wir gerne Gastgeber vorstellen, die einen Vater über einen längeren Zeitraum unterstützt haben. Dürfen wir ein telefonisches Interview mit Dir führen? Bitte komm auf uns zu!

„Mein Papa kommt“ mit einem Artikel in die Berliner Zeitung

„Mit Papa in die Herberge“ – von Alena Hecker – erschienen am 26.04.2017

Wenn Eltern sich trennen, leiden die Kleinsten. Besonders kompliziert wird es, wenn Vater und Mutter nach ihrer Trennung auch räumlich auf Distanz gehen. Eine Initiative vermittelt kostenlose Gästezimmer für Elternteile, die weit reisen, um ihr Kind zu besuchen.

 

Familiencafés, Indoorspielplätze, Tierparks, Kindermuseen: Berlin bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie Eltern sich und ihren Nachwuchs am Wochenende beschäftigen können. Immer mehr Mütter und Väter wollen jedoch gerade weg vom großen Trubel. Sie sind weit gereist, um ihr Kind zu besuchen, möchten ungestört Zeit mit ihm verbringen – und wissen nicht, wo. Ronald Leber, der in Wirklichkeit einen anderen Namen hat, ist einer von ihnen. Seit sieben Jahren pendelt er einmal im Monat übers Wochenende zwischen seinem Wohnort im Westen Deutschlands nach Berlin, wo seine Tochter mit ihrer Mutter, deren neuen Mann und ihren Geschwistern zusammenlebt.

 

Laut einem Bericht des Deutschen Jugendinstituts (DJI) führt „die konstant hohe Zahl von Trennungen und Scheidungen in Deutschland dazu, dass sich das Familienleben nach Trennung oder Scheidung oftmals verteilt über mehrere Haushalte und mitunter an verschiedenen Orten abspielt.“ Zunehmend mehr Kinder, Väter und Mütter seien zwischen den verschiedenen Wohnorten der Familie unterwegs, um in Kontakt miteinander zu bleiben – eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Anfangs holt Ronald Leber seine Tochter noch in Berlin ab und nimmt sie zu sich nach Hause, doch das geht nicht lange gut. Also bleibt er selbst über Nacht und mietet sich übers Wochenende in Hostels und Pensionen ein. Doch was ihm fehlt, ist ein Rückzugsort, an dem er mit seinem Kind auch einmal ungestört zu zweit sein, spielen, malen, kochen kann.

 

Schließlich wird Leber auf das Besuchsprogramm „Mein Papa kommt“ aufmerksam. Das von der gemeinnützigen Gesellschaft Flechtwerk 2+1 betriebene Netzwerk will es Kindern aus sogenannten multilokalen Familien ermöglichen, regelmäßigen Kontakt zu ihren weit entfernt lebenden Vätern und Müttern zu haben. Alleinlebende oder Familien am Wohnort des Kindes, die zu Hause noch ein Zimmer frei haben, bieten es Eltern, und manchmal auch den zugehörigen Kindern, kostenlos zum Übernachten an.

 

Rund 800 Elternteile, die Mehrheit von ihnen Väter, haben darüber bereits eine Herberge in der Nähe ihres Kindes gefunden.„Es gibt viele Gründe, weshalb ein Elternteil weit entfernt von seinem Kind lebt“, weiß Annette Habert, Initiatorin des Besuchsprogramms – sei es der Umzug der alleinerziehenden Mutter in die Nähe ihrer Verwandtschaft, Arbeitssuche, Folgepartnerschaft oder eine konfliktreiche Elternschaft. Auf die Trennung vom Partner dürfe nicht auch noch die Trennung vom Kind folgen. Das Besuchsprogramm sieht Habert darum als eine Art Erste Hilfe in turbulenten Zeiten: „Es funktioniert, weil jeder die Sehnsucht kennt, mit Mutter und Vater verbunden zu sein.“

 

In Berlin liest Katharina Müller über die Initiative. Gastfreundschaft ist für sie etwas Selbstverständliches, schon ihre Eltern haben zu DDR-Zeiten während der Ferien Kinder aus Großstädten zu sich nachHause eingeladen, damit diese Urlaub auf dem Land verbringen konnten. „Das waren immer tolle Leute, die kamen.“ Die 62-Jährige sagt sich: Wenn es Menschen gibt, die mit ihrem Angebot etwas anfangen können, warum sollte sie sich dann nicht als Gastgeberin melden?

 

Kurze Zeit später steht zum ersten Mal Ronald Leber in ihrer Zweizimmerwohnung. Die beiden sind sich sympathisch, haben bald ein vertrauensvolles Verhältnis zueinander. „Meistens kam er schon am Donnerstagabend, und wir haben noch ein bisschen gequatscht. Am nächsten Tag war dann auch seine Tochter hier.“ Häufig essen Vater und Tochter zusammen mit ihrer Gastgeberin, als Dank für die Unterkunft kauft Ronald Leber mehr Lebensmittel ein, als er für sich und seine Tochter braucht.

 

Allein in Berlin engagieren sich aktuell mehr als 50 ehrenamtliche Gastgeber für Flechtwerk 2+1, deutschlandweit sind es rund 900. „Überall, wo Kinder leben, gibt es Trennungen“, so Habert. Umso dankbarer ist sie den ehrenamtlich Engagierten, dass sie nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Urlaubsregionen und auf dem Land Übernachtungsplätze bereitstellen.

 

Zusätzlich kooperieren Habert und ihr Team mit Mütter- und Familienzentren, Kirchengemeinden, Kindergärten und anderen Einrichtungen. Diese bieten „Kinderzimmer auf Zeit“ an, in denen Eltern mit ihren Kindern am Wochenende spielen können. Aus Gesprächen weiß die Pädagogin, dass der Bedarf an solchen Rückzugsmöglichkeiten groß ist. Vollkommen unbefangen könnten sich Eltern und Kind nur begegnen, wenn sie auch einmal unter sich seien.

 

Ronald Leber und seine Tochter kommen in Berlin mittlerweile bei einem anderen Gastgeber unter. Katharina Müller hat nun regelmäßig ihren alleinerziehenden Sohn zu Besuch,wenn er mit seinen Kindern nach Berlin kommt, damit sie die von ihnen getrennt lebende Mutter besuchen können.

 

(Von Alena Hecker, erschienen in der Berliner Zeitung am 26.04.2017)

Mutterliebe braucht Mut

Mütter wollen immer das Beste für ihre Kinder. Und geben dafür viel. Manchmal sogar den Verzicht auf das tägliche Zusammensein mit ihrem Kind!

Aus Liebe macht man viel. Und eine Mutter alles Menschenmögliche. Und manchmal auch alles Menschenunmögliche. Mutterliebe. Das Wort weckt so viele Bilder. Und bei jeder Mutter sofort das Gefühl der tiefen Verbundenheit zu ihrem Kind. Manche Mütter verzichten sogar aus Liebe zu ihren Kindern auf das tägliche Zusammenleben mit ihnen. Auch wenn es ihnen das Herz zerreißt. Und sie sich zusätzlich immer wieder dafür rechtfertigen müssen. Warum ist denn Dein Kind nicht bei Dir? Da stimmt doch etwas nicht? Viele Fragezeichen im Gesicht, wenn Außenstehende auf die selten gelebten Familienmodelle blicken, die nicht die „Jeden-Tag-Mama“ vorsehen. Sei es, weil sich die Eltern für das Wechselmodell entschieden haben und das Kind abwechselnd eine Woche bei der Mama, eine Woche beim Papa lebt. Gerne werden diese Mütter als „Teilzeitmutter“ betitelt. Als würde die Mutterrolle aufhören, sobald das Kind nicht nur im eigenen Haushalt lebt! Besonders große Fragezeichen aber tauchen auf, wenn das Residenzmodell gewählt wird – nur eben andersherum als in 90 Prozent der Fälle, in denen das Kind bei der Mutter wohnt. Eine Mutter, die nur alle zwei Wochen ihr Kind am Wochenende sieht? Und die Mutter lebt nicht einmal im gleichen Ort, sondern hunderte Kilometer entfernt?

 

Die Mutter lässt los, das Kind findet Halt

Selbst für viele Menschen, die für absolute Gleichberechtigung sind, ist dies unvorstellbar. Doch es ist Realität. Manchmal muss die Mutter weit weg ziehen und möchte ihren Kindern nicht zumuten, sie aus dem gewohnten Umfeld zu reißen. Oder aber die Mutter kann den Kindern alleinerziehend nicht in dem Maße Unterstützung bieten, wie es der Vater kann. Viel zu selten erfahren diese Mütter Zuspruch und Anerkennung. Dafür, dass sie für ihre Kinder das Beste wollen. Zu ihren Gunsten entscheiden. Und für sie da sind. Nicht jeden Tag vor Ort, aber in Gedanken, am Telefon und immer wieder am Wochenende.

 

Die Mutter fliegt aus, der Vater fliegt ins Nest

Es gibt auch Mütter, die den Alltag mit ihren Kindern teilen und dennoch in regelmäßigen Abständen zu einem großen Opfer bereit sind. Im Zuge des Nestmodells quartieren sie sich selbst zum Beispiel alle zwei Wochen aus ihrer eigenen Wohnung aus, damit der Vater mit den Kindern das Wochenende in ihrer Wohnung verbringen kann. Die Mutter überlässt dem Ex-Partner den eigenen Rückzugsort mit allen privaten Dingen, damit die Kinder in der vertrauten Wohnung Zeit mit ihrem Papa verbringen können. Ein komfortables Nest für die Kinder, eine Zerreißprobe für die Mutter. Und eine Herausforderung für die Unterbringung der Mutter in dieser Zeit. Denn wer sich nicht noch eine dritte Wohnung leisten kann, der braucht einen anderen Ausweichort. Das kann ein neuer Partner der Mutter sein. Doch wenn es den nicht gibt, was dann?

 

Unterstützung für den eigenen Weg

Ein Hoch auf all die Mütter, die oft an ihre Grenzen gehen – aus Liebe zu ihren Kindern! Wir Flechtwerker haben großen Respekt vor den individuellen Wegen, die die Mütter gehen. Was wäre das passende „Muttertagsgeschenk“?  Wir freuen uns, wenn wir bei großer räumlicher Distanz zum Kind oder im Falle des gelebten Nestmodells mit kostenfreien Übernachtungen bei ehrenamtlichen Gastgebern helfen können. Und auch Ihr könnt die Mütter unterstützen! Zum Muttertag starten wir eine Spendenaktion für fünf Sozialplätze bei betterplace.

 

Suchst Du auch nach einer Lösung für Dich und Dein Kind? Gastgeber am Wohnort des Kindes oder ein Kinderzimmer auf Zeit, wo Du in Ruhe mit Deinem Kind spielen kannst? Melde Dich am besten gleich an beim Programm Meine Mama kommt! Und schon bald begrüßen wir Dich mit einem „Willkommensanruf“.

 

Zur Anmeldung

Mal was anderes

„Mein Papa kommt“-Malvorlage zum Downloaden! Vielleicht für die nächste Fahrt mit der Bahn oder im Flixbus!

Download

 

Dem Karikaturisten Werner Tiki Küstenmacher hat unsere Arbeit für Kinder mit zwei Elternhäusern so gut gefallen, dass er eigens eine Karikatur-Reihe für Mein Papa kommt geschaffen hat.
Danke Tiki!